Druckschrift 
2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
Seite
319
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unnötig, er würde Schneegaus öfter zu sich berufen, möglicherweise auch auseiner Reichstagssitzuug, und er möchte so erscheinen, wie er eben sei.

Wir müssen in dieser Session die elsaß-lothringischen Angelegenheiten regeln,"fuhr der Kanzler fort,es kann nicht weiter so fortgehen; die Verhältnisse stehenwohl nicht nach Wunsch? Darum erzählen Sie mir genau und rückhaltlos, wiees dort zugeht."

Der Abgeordnete Schneegans setzte nun die Verhältnisse ebenso auseinander,wie er es später in der Sitzung des Reichstags vom 21. März 1879 wiederholte,worauf Fürst Bismarck seinen Gedankengang ungefähr in folgender Weise ent-wickelte:

Mit seinen Feinden regieren, das ist doch stets die schlimmste Politik, des-halb verurteile ich die Haltung jeder Regierung, welche den Wünschen ihrerGegner, hier also der Protestler, mehr entgegenkommt, als den ihrer eigenenStützen, der Autonomisteu, in der Hoffnung, die Gegner auf diese Weise zu ge-winnen.

Sie können mich als Ihren Verbündeten ansehen. Das Projekt des Krou-priuzenlandes hat bet dein Kaiser nunmehr noch weniger Aussicht, da der bejahrtehohe Herr, zumal nach den Attentaten, seinen Sohn in der Nähe zu behaltenwünscht. Man muß daher eine andre Lösung ins Auge fassen."

Der Fürst ging darauf verschiedene Eventualitäten mit dem AbgeordnetenSchneegans durch, erklärte zwei hier nicht näher zu bezeichnende Auswege fürundurchführbar, um schließlich das Projekt der Organisation des Landes untereinem Kaiserlichen Statthalter näher zn erörtern. Es sei seine Absicht, Elsaß'Lothringer in die höheren Regierungs- und Verwaltungsstellen zu berufen; inanbrauche ja kein Beamter zu sein, um einen guten Unterstaatssekretär oder Bezirks -Präsidenten abzugeben; in Frankreich besetze man diese höheren Stellen vielfachauch nicht mit geschulten Beamten.

Nachdem der Kanzler sich einige Personalvorschläge in dieser Beziehung vondem Abgeordneten Schneegans erbeten hatte st, wünschte er zu wissen, ob es oppor-tun erscheine, den jetzigen Landesausschuß, die Bezirks- uud Kreistage aufzulösenund direkte Wahlen auszuschreiben, um den Laudesausschuß auf erweiterter Basisueu herzustellen. Schneegans bemerkte dazu, daß bei der jetzigen Stimmung dieGefahr vorliegeu würde, daß solche Wahlen als ein Deutschland voraussichtlichungünstiges Plebiszit aufgefaßt würden.

Als die Rede auf die Gesinnung der Elsässer vor und nach dem Kriege kam,und Schneegans ohne Hehl erklärte, daß er wie alle seine Landsleute von Hausaus die Annexion an Deutschland nicht gewünscht ja dieselbe geradezu offenbekämpft hätte, bemerkte Bismarck, den Abgeordneten scharf ins Auge fassend:Das wußte ich, und wenn Sie nur das Gegenteil gesagt hätten, so hätte ich

') Es kam die Rede auf den Präsidenten des unterelsässtschen Bezirkstags Klein und aufSchneegans selbst, der bei aller Bereitwilligkeit, einem an ihn ergehenden Ruf zn folgen,doch die Bedenken hervorhob, welche seinem Eintritt in die Regierung zur Zeit entgegenstehenmöchten.