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2 (1895) 1847 - 1879
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320 Die zweite Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

es nicht geglaubt; daß Sie mir es aber mit dieser Offenheit sagen, dafür zolle ichIhnen meine Achtung! Mit Männern, wie Sie sind, kann ich verhandeln!"

Welches auch unsere Gefühle damals waren," fügte Schneegans hinzu,sohaben wir uns jetzt aus den Boden der gegebenen Thatsachen gestellt, um ehrlichden Wiederaufbau unseres Landes herbeizusühren."

Die Vertretung Elsaß-Lothringens im Bundesrat sehe man im Lande alseine Ehrensache an; man würde eine Verweigerung dieser Vertretung wie einecapitis äiminutio den andern Ländern gegenüber betrachten. Fürst Bismarck er-widerte, man müsse die richtige Modalität zu finden wissen, es sei schwierig, aberdoch nicht unmöglich. Ihm schwebe der Gedanke vor, daß der Vertreter von Elsaß-Lothringen im Buudesrat am besten ein Gesandter, ein diplomatischer Vertreterdes Landes sei, der eventuell vom Landesausschuß gewählt werden sollte undwomöglich ein Elsässer sein solle.

Der Fürst berührte alsdann noch verschiedene Detailfragen der künftigenOrganisation und schloß die zweistündige Besprechung, indem er sagte:

Können Sie mir versichern, daß ich bei Ihren politischen Freunden einenHalt finde? Ich muß mich doch bei dem Kaiser auf den Willen des Landesstützen können."

Für mich persönlich kann ich mit Ja antworten," entgegnete Schneegans,aber ich habe das Recht nicht, für meine abwesenden Kollegen zu sprechen."

Sind denn die Herren noch nicht hier?"

Nein, Durchlaucht, ich bin bis jetzt der einzige."

So telegraphieren Sie ihnen, sie mögen doch erscheinen, und kommenSie dann mit ihnen, um mich zu besuchen."

Darf ich dann um eine Audienz einkommen?"

Nicht Audienz! Schicken Sie mir Ihre Karte; ich werde Sie jedesmalempfangen, um die Angelegenheit weiter zu besprechen."

Auf die telegraphische Aufforderung von Schneegans kamen die autonomisti-.schen Abgeordneten North, vr. Rack und Lorette bereits am 24. Februar inBerlin an; tags daraus wurden dieselben von dem Reichskanzler empfangen.Nachdem dieselben Punkte wie bei der Konferenz vom 23. Februar erörtert wordenwaren, stellte der Abgeordnete Schneegans schließlich an den Fürsten Bismarckdie Frage, ob er die Stellung eines entsprechenden Antrages im Reichstage fürangebracht halte. Nachdem der Kanzler diese Frage bejaht hatte'), brachte der

') DiePost" Nr. 57 vom 27. Februar 1870 wußte über die fragliche Audienz nach-folgendes zu berichten: Der Reichskanzler empfing gestern Mittag die reichsländischen AbgeordnetenSchneegans, Rack und North in längerer Audienz. Es soll, wie nationalliberale Blätter ivissenwollen, der Gedanke, die reichslandischen Angelegenheiten in einer oder der andern Weise demKronprinzen zu unterstellen, wiederum in den Vordergrund getreten sein. DerMagdeburgerZeitung" schreibt man darüber: Aus unzweideutigen Äußerungen des Reichskanzlers geht hervor,daß das im Frühjahr vorigen Jahres ventilierte Projekt einer dem Kronprinzen zu übertragendenStatthalterschaft für Elsaß-Lothringen neuerdings wieder in maßgebenden Kreisen in den Vorder-grund getreten ist. Danach würde die Regierung der Reichslande nach Straßbnrg verlegt werden,ein vom Kronprinzen ernannter Minister würde daselbst residieren; Elsaß-Lothringen würde eine