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2 (1895) 1847 - 1879
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316 Die zweite Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

liberalen Partei Hilfe zu suchen; er liebe nicht, mit Parteien zu gehen, sonderndie Hilfe da zu nehmen, wo er sie finde.

Ungerecht sei der Vorwurf, den man ihm mache, daß er ein Centralist sei;der Unitarismus in Deutschland würde zur Republik führen. Nach seinerMeinung sei Preußen zn groß und zu mächtig in Deutschland, er würde es vor-ziehen, wenn noch mehrere andre, größere Bundesländer in Deutschland bestehenwürden. Man habe ihm vorgeworsen, Hannover und Hessen genommen zuhaben, das erkläre sich damit, daß der König von Hannover ein eigentümlicherMann, und der Nacksolger des Kurfürsten mit der Einverleibung Hessens ein-verstanden gewesen sei; überdies sei allerdings wahr, daß Preußen vor demJahre 1866 gleichsam in zwei Hälften geteilt gewesen sei; eine Verbindung derbeiden Teile habe not gethan. Gegen andre Annexionen, die namentlich derKaiser gewünscht habe, nämlich die Einverleibung Österreich-Schlesiens und derMarkgrastümer Ansbach und Bayreuth, habe er entschieden und erfolgreichenWiderstand geleistet. Nachdem der Kaiser durchaus die genannte Ländererwerbungfür Preußen machen wollte, habe er nicht nur in Nikolsburg seine Entlassungeingereicht, sondern er habe durch 3 Tage in Nikolsburg seine Thätigkeit alsMinister eingestellt. Auch später in Versailles habe er geraten, man möge mitden ersten Kriegskontributionsgeldern die im Jahre 1866 erhobenen Kriegs-koutributionen zurückzahleu; da habe man gesagt:Bismarck ist betrunken", undsein Rat sei nicht befolgt worden.

Der Krieg mit Österreich gegen Dänemark habe erwiesen, was Deutschland-Österreich vereinigt vermöge. Alle Staaten wären damals gegen den Krieg ge-wesen, und keiner habe gewagt, Dänemark zu Hilfe zu kommen. Der Kriegvom Jahre 1866 sei eine peinliche Notwendigkeit gewesen. Der Dualismus inDeutschland konnte, ohne Deutschland zu schädigen, nicht fortdauern, eher konntePreußen durch den Krieg sich auf die zweite Stellung znrückdrängen lassen, alsdie Fortdauer des bis zum Jahre 1866 bestandenen Verhältnisses zu dulden.Er, Bismarck, habe, nachdem schon die ersten Schüsse gewechselt worden seien,durch den Bruder des General Gableuz dem Kaiser Franz Joseph das An-erbieten machen lassen, mit Preußen zu sagen, das bisher Vorgefallene sei nurein Spaß gewesen. Kaiser Franz Joseph sei nicht abgeneigt gewesen, aufden Vorschlag einzugehen, der österreichische Finanzminister Graf Larisch habeaber gesagt, das ginge nicht, entweder müßten in fünf Wochen die österreichischenTruppen in Berlin stehen, dann sei Geld genug vorhanden, oder der Krieg fallezu Österreichs Ungunsten aus, und dann sei der Grnnd für einen neuen öster-reichischen Staatsbankerott gegeben. Graf Mensdorff und die übrigen Ministerhätten Graf Larisch zugestimmt, und der Krieg habe das bekannte Resultat ge-habt. Die häufig laut gewordene Ansicht, daß er weitere Eroberungen fürDeutschland machen wolle, gehöre zu den vielen unsinnigen Dingen, die be-hauptet werden. Was solle denn für Deutschland noch erobert werden? EtwaDänemark, Holland, Belgien, oder gar Österreich bis an die Leitha, mit Wienals Provinzialstadt? Der preußische Minister, der je daran denken werde, durch