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2 (1895) 1847 - 1879
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302
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302 Die erste Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

bündeten Regierungen über unsere zukünftige Zollpolitik bereits Beschlüsse gefußthätten.

In Ermangelung solcher vermag ich Eurer Excellenz nur meine persön-lichen Ansichten mitzuteilen. So weit es mir gelingen wird, letztere zurGeltung zu bringen, liegt es allerdings in meiner Absicht, eine umfassende Re-vision unseres Zolltarifs herbeizuführeu und die dazu erforderlichen Anträgezunächst der Prüfung der verbündeten Regierungen zu unterbreiten. Die Vor-arbeiten hierfür sind bereits in Angriff genommen.

Den Abschluß neuer Handelsverträge mit Konventionaltarifen vermag ichso lange nicht zu befürworten, als die Frage der Revision unseres Tarises nichtihre Erledigung gefunden hat.

Genehmen Eure Excellenz den Ausdruck meiner ausgezeichnetsten Hoch-achtung, mit welcher ich verbleibe

Euer Excellenz ganz ergebener

Bismarck.

Die Genehmigung des Fürsten Bismarck zur Veröffentlichung vorstehenderKorrespondenz erfolgte durch folgende Mitteilung:

An den Königlich württembergischen Gesandten Herrn Freiherr»von Spitzemberg in Berlin.

Friedrichsruh, den 25. Oktober 1878.

Eurer Excellenz

beehre ich mich, das anliegende, an Ihres Herrn Schwiegervaters Excellenzgerichtete Schreiben des Herrn Reichskanzlers mit der Bitte um Weiterbeförderungganz ergebenst zu überreichen. Ich füge eine Abschrift des Schreibens bei, welcheszu dieser Antwort Veranlassung gegeben, und bitte, Ihrem Herrn SchwiegervaterMitteilen zu wollen, daß der Fürst mit der gleichzeitigen Veröffentlichung beiderSchreiben einverstanden ist.

Mit der Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung habe ich die Ehrezu sein

Eurer Excellenz ganz ergebenster

Tiedemann.

Am 24. Dezember 1878 veröffentlichten die Zeitungen das Schreiben Bis-marck's an den Bundesrat vom 15. Dezember 1878, welches das steuer- und wirt-schaftliche Programm des Kanzlers enthielt Ü- Ein paar Tage später (28. De-zember 1878) brachte diePost" (Nr. 358) einen von Varubüler gezeichnetenArtikel unter der Überschrift:Unsre handelspolitische Lage und der Handels-vertrag mit Österreich", der sich in einem gewissen Gegensätze zu Bismarck'sProgramm befand. Das Schreiben des letzteren vom 15. Dezember 1878 legtenämlich den ganzen Nachdruck auf den finanziellen Gesichtspunkt. Die Zollresormsollte ihm in erster Linie das Mittel sein, um die beabsichtigte Steigerung derindirekten Einnahmen des Reichs zu erreichen. Im übrigen war es mehr das

') Abgedruckt in meinem WerkeFürst Bismarck als Volkswirt" Bd. I, S. 170 ff.