1878
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Programm der Agrarier als das der Schuhzöllner, das Bismarck auf seine Fahnegeschrieben hatte. Im Gegensatz hierzu wünschte Varnbüler die bestehenden mäßigenSchutzzölle durch hohe, ja sogar durch Kampszölle zu ersetzen, an deren Beseitigungeventuell durch Deutschland günstige Handelsverträge gedacht war').
Aus Anlaß des berühmt gewordenen Schreibens vom 15. Dezember 1878wurde Bismarck auch von dem „Verein für deutsche Volkswirtschaft" auf dasfreudigste begrüßt. Die von A. Lohren verfaßte Adresse an den Fürsten Bismarckslautet:
Berlin, den 15. Januar 1879.
Durchlauchtigster Fürst, Hochgebietender Herr Reichskanzler!
Der Verein für deutsche Volkswirthschast zu Berlin beehrt sich, Eurer Durch-laucht für das große Reformprogramm vom 15. Dezember, welches die für dieZolltarif-Revision maßgebenden Gesichtspunkte darlegt, seine ungeteilte unddankbare Anerkennung ganz ergebenst auszusprechen.
Als unerläßlichste Voraussetzung jeder gedeihlichen wirtschaftlichen Thätig-keit muß die Wiederherstellung einer sicheren, finanziellen Grundlage des Reichsbetrachtet werden. Nur auf gesunder und stabiler finanzieller Basis ist esmöglich, die Entwickelung von Landwirthschaft und Gewerbe erfolgreich zufördern.
Wir begrüßen es deshalb mit hoher Genugthnung, daß Eure Durchlauchtdie notwendig gewordene Finanzreform in die vorderste Linie gestellt undhierfür die Verminderung der direkten Steuern durch Vermehrung der aui in-direkten Abgaben beruhenden Einnahmen des Reichs als Ausgangspunkt ge-nommen haben. Mit diesen Vorschlägen greisen Eure Durchlaucht auf diealte Finanz- und Zollpolitik Preußens und des Zollvereins zurück, welche sichmehr als 30 Jahre vortrefflich bewährt hat, und stellen dadurch die Kontinuitätder Gesetzgebung, welche eine Grundbedingung des Vertrauens im wirtschaft-lichen Leben ist, wiederum her. Die Befürwortung der Wiedereinführung all-gemeiner Zollpflichtigkeit als Regel bei der Einfuhr, sowie die Empfehlungvon Staffelzöllen an Stelle der einheitlichen Gewichtszölle für Waren vonsehr verschiedenem Arbeitswert haben bei allen Freunden deutscher Arbeit einGefühl froher Zuversicht uud dankbarer Zustimmung erzeugt. Eure Durch-laucht haben damit eine starke und eine schwache Seite des alten Vereinstarifsgekennzeichnet und sowohl vom finanziellen, wie vom volkswirthschaftlicheuStandpunkte in unübertrefflich klarer und mustergültiger Weise beleuchtet.
Den volkswirtschaftlichen Teil anlangend, warnen Eure Durchlaucht wir imechten Geiste des suum ouigus vor einem Zollsystem, welches nur einzelneIndustriezweige berücksichtigt wissen will und empfehlen den Schutz der ge-
') Denjenigen Blättern, welche die Tarifreform mit Mißgunst betrachteten, kam dieseMeinungsverschiedenheit zwischen Bismarck und seinem vornehmsten Berater sehr erwünscht.Und doch waren keine Schlüsse daraus zu ziehen, denn bei Abfassung des „Püst"-ArtikelS kannteVarnbüler den Dezemberbrief Bismarcks noch nicht,h Dieselbe ist bisher ungedrnckt.