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2 (1895) 1847 - 1879
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300 Die erste Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Stuttgart, den 22. Oktober 1878.

von Schmidst erzählt mir, es sei in den höchsten Kreisen die Verlegungder Residenz nach Cassel ernstlich erwogen worden, da gegen Berlin wegen derfortschrittlichen und sozialdemokratischen Wahlen große Verstimmung herrsche.Letzteres finde ich begreiflich, ersteres unwahrscheinlich.

Schneegans erzählt von den Mißstünden preußischer Verwaltung in Elsaß-Lothringens. Bekomme man beim Präsidenten und Oberpräsidenten Recht, sokomme es vor, daß der Kreisdirektor dagegen protestiere; dann müsse der Jnstanzen-zug von neuem durchgemacht werden. Mit der Justiz- und Forstvcrwaltungseien sie zufrieden. Die eigentliche Regiminalverwaltuug mache große Mißgriffe,sei zu kompliciert, zu eckig, könne nicht ab- und zngeben. Eine Deputationangesehener autonomistisch gesinnter Einwohner habe in der- ersten Zeit wegeneiner verfehlten, Erbitterung erregenden Maßregel bei dem betreffenden Präsidentenoder General Vorstellung gemacht, um die Regierung vor einem schweren Fehlerzu bewahren; sie schade damit den deutschen Sympathien.Ich verlange keineSympathie, sondern Gehorsam," war die kurze Antwort.Diesen werden Sieganz gewiß finden", erwiderte die Deputation, nahm die Hüte und entfernte sich. Das ist moralische Propaganda für das Deutschtum!

Stuttgart, den 24. Oktober 1878.

In den Kreisen meiner hiesigen Bekannten hat das Zustandekommen desSozialistengesetzes allgemeine Befriedigung hervorgebracht. Man hat sich inFolge davon mit der nationalliberalen Partei wieder mehr ansgesöhnt ^).

Stuttgart, den 5. November 1878.

Bericht über die tags vorher erfolgte Unterredung mit einem württembergi-schen Staatsmanne: Meine Vermutung, daß Stauffenberg und die Linke dernationalliberalen Partei bei dem Kronprinzen eine Stütze zu haben glauben, seirichtig und habe sachlichen Anhaltspunkt. Bismarck habe lange geschwankt, ober mit dem Reichstag brechen oder mit dem Gebotenen sich begnügen wolle; derKronprinz sei entschieden für letzteres gewesen. Indessen habe er Andeutungen,daß Bennigsen dem Reichskanzler gewisse Aussichten auf weitere Zngeständisseim Frühjahr eröffnet habe. Bismarck habe sich für die Zusammensetzung derBeschwerde-Kommission sehr iuteresstrt; von Baden habe er gar kein Mitglied

y von Schmid, Karl Joseph. Damals Ober-Finanzrat in Stuttgart, später württem-bergischer Minister. Mitglied des Reichstags.

2) Da diese Mißstände jetzt seit lange überwunden sind, so wird es unbedenklich sein,das Schneegans'sche Gespräch hier wiederzugeben.

u) Eine Rede Hölder's in 'der Versammlung der deutschen Partei in Stuttgart, be-treffend den Verlauf der Verhandlungen über das Sozialistengesetz im Reichstag, findet sichabgedruckt in der StuttgarterNeuen Zeitung" von 1878, Nr. 259 und 259 6. EndeOktober 1878 Vortrag Hölder's über den Verlauf der Beratungen über das Sozialistengesetzim Reichstag. Vergl. die StuttgarterNeue Zeitung" Nr. 259 undSchwäbischer Merkur"Nr. 262.