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2 (1895) 1847 - 1879
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1878

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bleibt übrig bei § 6 (Presse; Zulässigkeit des Verbots von Tagesblättem ohnevorgängige Bestrafung, wie die Rechte will). Die Deutschkonservativen wolltennicht recht aus Nachgeben heran; sie machen einen Vergleichsvorschlag (wenn dasProgramm des Blattes den Voraussetzungen des § l entspreche oder dasselbeOrgan eines unter § 1 fallenden Vereins sei). Mir erscheint der Vorschlagacceptabel, da aber Bennigsen abrät und 25 Stimmen der Nationalliberalendoch die Sache vereiteln können, erhebe ich keinen Widerspruch; auch um dieStellung Bennigsen's bei den weiteren Verhandlungen zu kräftigen. So kannman den Konservativen sagen: die Fraktion beharre einstimmig. Doch beruftBennigsen Vorsichts halber auf abends halb 9 Uhr noch einmal eine Fraktions-sitzung.

N. ist auf die Nationalliberalen nicht gut zu sprechen; sie seien Schulddaran, daß das Gesetz nicht scharf genug ausfalle. Bismarck sei augenscheinlichgetäuscht worden, er hätte mehr erreichen können und habe seine Stärke denNationalliberalen gegenüber unterschätzt u. s. w. Soviel mag wahr daran sein,daß wenn Bennigsen gewollt hätte, möglicherweise eine längere Geltungszeit beiden Nationalliberalen hätte erzielt werden können; vielleicht wären nicht einmaldie bemühten 25 Stimmen dagegen übrig geblieben. Bennigsen hätte aber einenBruch innerhalb der Partei riskiert; jedenfalls bei der übrig bleibenden Minorität(Laster, Stauffenberg, Bamberger) eine große Verstimmung zurückgelassen. Erist ein kluger, sicherer, wohlberechnender, einsichtsvoller Führer.

Berlin, den 19. Oktober 1878.

Heute Schluß des Reichstags. Vorgestern Abend kam noch zwischen denNationallibcralen und den beiden konservativen Fraktionen eine Verständigungzu stände. Im Hauptpunkt gaben letztere nach (Unterdrückung von Zeitungenerst nach vorangegangener Unterdrückung einer Nummer aus Grund des Gesetzes).Bennigsen war unruhig, bis endlich die Nachricht der Zustimmung der Deutsch-konservativen eintras. Er hat vortrefflich operiert, die Sache allein gemacht, ohneBeiziehung andrer, insbesondere ohne Lasker und Stauffenberg, im Vertrauen,daß ihn die Fraktion nicht im Stiche lassen werde. Es ist dies zugleich eineWarnung für Lasker, daß Bennigsen im Notfall ohne ihn seinen Weg gehenwerde. Ich konnte nicht umhin, Bennigsen meine Anerkennung für seine klugeund energische Handlungsweise auszudrücken. Er nahm es freundlich auf undreichte mir die Hand.

Gestern und heute 3. Lesung; die Debatte hatte sich doch am Ende er-schöpft. Ein Schlußwort Bismarck's behielt der Regierung weitere Vorlagen fürden Notfall resp. überhaupt vor. Da haben wir gute Aussicht auf künftigeSchwierigkeiten st.

i) Am 19. Oktober 1878 speiste der nationalliberale Abgeordnete Vogel ans Chemnitz,Vertreter des 16. Wahlkreises des Königreichs Sachsen, bei Bismarck. (Chemnitzer Tageblatt"vom 23. Oktober 1878.)