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2 (1895) 1847 - 1879
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298 Die erste Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Mitteilung davon zu machen. Laster sei ohne jede Kenntnis davon in dieFraktion gekommen nnd infolgedessen mit seiner Ansicht gänzlich unterlegen.Darüber sei er schwer aufgebracht und stehe momentan ganz schlecht mit Bennigsen;Stansfenberg habe sich mit letzterm wieder soweit verständigt, daß sie mit einanderverkehren könnten. Bennigsen für sich allein könne die Fraktion nicht führen;er habe Laster notwendig. Im Ministerium könnte sich Bennigsen ohne Forckenbeckgar nicht halten, daher könnte er auch nur mit diesem cintreten. Stansfenberghabe Forckenbeck sehr hervorgehoben; er stehe auch beim Kronprinzen in hoherGunst. Erst vor ein paar Tagen habe letzterer zu Forckenbeck gesagt:Auf Sieverlasse ich mich vor allem in diesen schweren Zeiten." Dies sei bedeutsam,denn der Kaiser sei sehr schwach und es sei zweifelhaft, ob derselbe die Regierungwieder übernehmen könne.

Das Gerede, daß der Kronprinz Statthalter von Elsaß-Lothringen werdensolle'), habe Grund gehabt. Stansfenberg hätte in diesem Fall dessen leitenderMinister werden sollen. Stansfenberg sei momentan deprimiert, theils wegenseines Zerwürfnisses mit Bennigsen, dem er seine Wahl in den Reichstag ver-dankt, teils weil er mit Laster augenblicklich so wenig Einfluß in der Fraktionhabe. Auf die Bemerkung, die Süddeutschen sehen doch in ihm (Stansfenberg)ihren Vertreter, habe er erwidert: das sei nicht mehr so. Er leugnet, daß erseinen Schwerpunkt nach Berlin habe verlegen wollen. Im bayerischen Landtagwolle er beim Budget energisch auftreten, die dortige Schlaffheit insbesondere inNeichssachen müsse aushören.

Den linken Flügel, der ihm (Stansfenberg) nnd Laster folge, berechne elftererauf etwa 20; sie seien über die Ansichten eines Jeden genau orientiert. DieMöglichkeit einer Trennung der Partei hätten Stansfenberg und Laster auch schonins Auge gefaßt; da es in der Fortschrittspartei auch gähre, dächten sie daran,mit dem rechten Flügel der letzteren zusammen zu gehen. Jetzt komme die Sachenicht zum Austrag, aber nächstes Frühjahr werde es heiße Kämpfe geben.

Mich bestärkten diese Mitteilungen schreibt Hölder in der Über-zeugung, daß Stansfenberg sich zu sehr von Laster beeinflussen läßt, dessenDoktrinarismus für viel zu wertvoll hält, statt denselben auf das richtige Maßznrückzndrängen, dadurch hat sich Stansfenberg momentan deplaciert. Dagegenträgt Bennigsen der Situation, den Stimmungen der Wähler und der Mehrheitder Fraktion Rechnung. Oft schon habe ich es geäußert, von Lasker würde ichmich gerne, von Bennigsen nur im äußersten Notfall trennen. Daß Stauffen-berg nicht zu diesem letzteren hält, thnt mir leid.

Heute ist Rasttag vor der dritten Lesung des Sozialistengesetzes. Bennigsenreferiert in der Fraktion über die Ausgleichsverhandlung; derselbe war gestern beiBismarck mit Eulenbnrg und Führern der Rechten. Heute Vormittag Verhand-lung mit letzteren; Bennigsen führte die Verhandlungen allein. (!) Ein Anstand

y Nüheres über dieses Projekt s. oben S. 262 ff.