fahren und für Festhalten an Stauffenberg auf, und infolge seiner Rede fiel ihmdie große Mehrheit zu; die Minderheit bestand aus 7—8 Mitgliedern: Gneist,Treitschke, von Cuny, Völk, Schauß, Römer und ich. — Dies bestimmte mich,Bennigsen nach der Sitzung zu erklären, daß ich aus dem allerdings zunächstprovisorischen (früheren) Vorstande austrete. Er meinte, ich solle es noch überlegen,überdies wollte er die Erklärung gar nicht annehmen, da ein Vorstand noch nichtbestehe. Zunächst beruhigte ich mich, folgte aber den Einladungen zur Besprechungder Sozialistengesetz-Vorlage im Schooße des Vorstandes nicht mehr. Von Laskerdarüber befragt, nahm ich Bezug auf die Bennigsen gegenüber abgegebene Er-klärung, die ich damit motivierte, daß ich mich voraussichtlich noch öfter imWiderspruch mit der Mehrheit der Fraktion befinden würde, weshalb der Aus-tritt der Sachlage völlig entspreche. Er wollte diesen Grund nicht anerkennen,weigerte sich, ihn auszurichten, versprach aber, mein Wegbleiben einfach zu ent-schuldigen.
In der nationalliberalen Fraktion zeigt sich auf allen Seiten der guteWille, das Gesetz mit den nöthigen Verbesserungen zu stände zu bringen. DieStimmung wird jeden Tag ruhiger. Zeitliche Beschränkung, die bei der Re-gierung wohl keinen Anstand finden wird, ist die Hauptbedingung. Wie es mitder zweiten betreffs der „Rekursbehörde" gehen wird, muß die Zukunft lehren ....
Bei den Fraktionsberatungen hielt ich mich zurück. Eine behufs der Ver-ständigung zur Mäßigung ratende Ansicht könnte heute als Ketzerei von derFraktion verfehmt werden, während vielleicht in 14 Tagen Bennigsen unter all-gemeinem Jubel als Ergebniß getroffener Verständigung sie vertritt. Geht esaber zum Bruch, so will ich mich nicht vorzeitig nach der einen oder andernSeite hin engagieren. Indessen ist die Stimmung versöhnlich. Die Gefahr liegtmeines Erachtens hauptsächlich darin, daß Bismarck mit seinen Erklärungen zulange zurückhalteu und in Folge davon die Fraktion resp. ihre Vertreter in derKommission sich zu fest binden könnten. Stauffenberg, den ich heute sprach, teiltauch letztere Ansicht. Derselbe erzählt, der Kronprinz habe ihm gesagt, wirsollten nur so handeln, daß die Schuld eines etwaigen Scheiterns nicht auf unsgewälzt werden könne. Bismarck sprach gestern eine halbe Stunde mit Bennig-sen, der aber zurückhielt. Heute liegt Bismarck im Bett. — Bennigsen engagiertesich in der Fraktion nach keiner Seite. Es scheint mir, daß er womöglich eineVerständigung will. Dies wollen indessen, wie mir vielfach gesagt wird, auchdie Wähler in Norddeutschland, nicht blos bei uns. Daher ist die geneigteStimmung in der Fraktion erklärlich ....
Max Römer sucht sich rasch zu orientieren und lacht über die Art, wie dieFraktion von einer kleinen Clique geleitet wird. Dies geschieht allerdings unterAnwendung aller großen und kleinen Mittel und Kniffe. Allein jene Wenigensind eben auch sehr hervorragend. Unzufriedenheit mit dieser Behandlung derDinge in Verbindung mit einer gewissen vornehmen Zurückhaltung im persönlichenVerkehr mit der Masse ist allgemein. Allein, sagt Römer, die Sklaven klirrennur mit den Ketten, folgen aber im entscheidenden Augenblick immer wieder.