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2 (1895) 1847 - 1879
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Die erste Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Stuttgart, den 26. September 1878.

Mittwoch, den 18. September, wurden die Sitzungen des Reichstags aus-gesetzt und die Vorberatung des Sozialistengesetz-Entwurfs einer Kommission von21 Personen überlassen. Interessant waren die Umtriebe für die Wahl der 6Mitglieder der uationalliberalen Fraktion. Lasker konnte nicht umgangen werden;dagegen hätte ich die Wahl Gneist's und Völk's gewünscht. Letzteren ersetztendie Führer durch Schauß, erstereu verdrängten sie ganz. Es fielen nur etwa26—28 Stimmen in der Fraktion auf ihn. So war gesorgt, daß unter den6 Mitgliedern der uationalliberalen Partei kein entschiedener Gegner der Führergewählt wurde. Dieselben behielten damit die Bestimmung des Maßes der Nach-giebigkeit in der Kommission sich selbst vor. Zu ihrem großen Ärger wähltendie Konservativen der 2. Abtheilung — Gneist als das 21. (freigegebene) Mitglieddoch hinein *).

Alles was nicht der Kommission des Reichstags angehörte, verließ jetztBerlin.

Berlin, den 8. Oktober 1878.

Um 11 Uhr war Fraktionssitzuug. Bennigsen verhandelt mit Bismarck undes ist alle Hoffnung auf das Zustandekommen des Gesetzes. Dem Anscheinenach ist Bismarck viel willfähriger, als nach den Mitteilungen des MinistersMittnacht zu erwarten war. Allein elfterer ist eben unberechenbar und Bennig-sen ist sehr zurückhaltend. Jni gegebenen Augenblick wird er eben der Fraktionankündigen, worin sie der in Aussicht genommenen Verständigung gemäß nochnachgiebig sein muß. Für mich werden keine Schwierigkeiten zu überwinden sein,da ich in den Änderungen garnicht so weit gehe, als die Mehrheit der Fraktion.Die rechte Seite der letzteren ist etwa 26—30 Köpfe stark. Lasker würdeschwerlich die 25 Stimmen Nationalliberaler zusammenbringen, die zur Verwerfungder Vorlage im Reichstag nötig wären; also hängt die Entscheidung von Bennig-sen ab, der den Rest von 50 Stimmen, die weder ausgesprochen rechts noch aus-gesprochen links sind, nach der einen oder andern Seite hin führen kann.

Die Reichstagssitzung selbst war gestern uninteressant; sie dauerte bis halb5 Uhr. Um halb 8 Uhr begann bereits wieder die Fraktionssitzung, die bis10 Uhr währte. Heute um 12 Uhr nehmen die Beratungen in der Fraktionihren Fortgang und morgen beginnt der Reichstag die seinigen. Alles ist natürlichauf Bismarck's Auftreten gespannt.

Berlin, den 14. Oktober 1878.

Seit letzten Mittwoch dauern die Beratungen über das Sozialistengesetz,und die zweite Lesung wird noch einige weitere Tage in Anspruch nehmen. Einwohlunterrichteter Landsmann hat mir über den. Stand beim Bundesrat und dieErklärungen Bismarck's in dessen Mitte Mitteilungen gemacht. Darnach lägen

>) Der Senioren-Konvent hatte die Wahl des 21. Mitglieds in Ermangelung einer andernVerständigung der durchs Loos ausgemählten 2. Abteilung überlassen. In der nationalliberalenFraktion hatte Professor vr. Gneist nur ca. 26 Stimmen erhalten, die etwa den rechten Flügeldarstellten.