1878
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Er würde in der Fraktion derb gegen derartige Lasker'sche Spitzfindigkeiten anf-treten.
Stuttgart, den 26. Jnni 1878.
Die letzten 14 Tage bewegte mich schwer die Frage wegen Annahmeeiner Reichstagswahl. Die Gründe, auch die sachlichen für und gegen, haltensich die Waage. Viele Besprechungen mit Römer, von Schmid, Harth, denMinistern, Fetzer (Renten-Anstalt), Gemmingen, Landeskomitee n. s. w. Diewohlwollendsten, mir persönlich befreundetsten Personen erklären eine Ablehnungmeinerseits unter den vorliegenden Umständen für unmöglich. Allein die hiesigeWählerschaft ist ganz gewiß, wenigstens in diesem Augenblick, konservativer alsich, und wie wird sich meine Stellung in der Fraktion im Reichstag gestalten?Ausnahmegesetze gegen die sozialdemokratische Partei könnte ich bei jetziger Sach-lage zulassen; ohne eine solche Erklärung wäre auch meine Wahl gar nichtmöglich. Allein meine freisinnige Richtung im Ganzen vermag ich nicht ans-zngeben. Korrespondenz mit Stnusfenberg über die Frage.
Von einer der Regierung nahestehenden Seite erfuhr Hölder noch Folgendes:Die württembergische Negierung sei nicht gegen seine Wahl. Die Abstimmunggegen den ersten Entwurf eines Sozialistengesetzes sei für sie kein Hinderniß.Sie sei zur Abstimmung im Bundesrat zu spät gekommen. So wie es Vor-gelegen, hätte sie auch nicht dafür stimmen können. Dagegen habe sie für dieAuflösung mit voller Überzeugung gestimmt. Die nationalliberale Partei verhaltesich zu wenig positiv, so insbesondere bei den Steuerfragen. Bismarck sei nichtgegen die nationalliberale Partei im Ganzen, wohl aber wünsche er eine Schwächungdes linken Flügels und eine Znrückdämmung des Lasker'schen Einflusses. Sonsthätte ja die Auflösung keinen Sinn. Außer einem Vereinsgesetz und dem Gesetzgegen die Sozialisten dürsten noch weitere Entwürfe dem Reichstag vorgelegtwerden, z. B. über Modifikation des Gesetzes, betr. Freizügigkeit, und über denBelagerungszustand. Es handle sich für mich ja nicht um Austritt aus dernationalliberalen Partei. Ich dürfe überzeugt sein, daß noch viele National-
liberale in meiner Lage sein werden. Dann gelte es gemeinschaftlich seineStellung zu nehmen.
Nach langen innern Kämpfen fasse ich endlich meinen Entschluß; ich wähleim Zweifel das Ehrenhaftere, entscheide mich für das, womit mehr persönlicheOpfer verbunden sind, also unter gewissen Bedingungen für die Annahme *).Entscheidend wäre, wie ich gestern und heute K. Schott zu Händen des Lokal-komitees der deutschen Partei erklärte, wenn alle reichstrenen Richtungen hier indieser schweren Zeit mir ihr Vertrauen schenkten und jeder Wahlkampf unterihnen durch meinen Entschluß beseitigt würde; in diesem Falle würde ich die Znrück-
h Über die Annahme eines Mandats seitens Hölder's vergl. den „Schwäbischen Merkur"vom 2. Juli 1878, Nr. >55, die Stuttgarter „Neue Zeitung" vom 2. Zuli 1878, das Stutt-garter „Neue Tageblatt", Nr. 171 u. 172, Jahrgang 1878 (Kaudidatenrede Hölder's in Stutt-gart), Nr. 174 (desgleichen in Feuerbach am 25. Juli), die Stuttgarter „Neue Zeitung" vom25. Juli 1878, Nr. 172 (Rede Hölder's in einer Stuttgarter Wahlversammlung).