288 Die erste Session der 7V. Legislatur-Periode des Reichstags
Weisung des allgemeinen Vertrauens für unzulässig halten. Dabei muß ich abernatürlich meinen politischen Charakter wahren und kann mich zu nichts meiner Über-zeugung Widersprechendem verpflichten. Zu offenster Darlegung meiner Ansichten binich bereit. Dann erst wird es sich zeigen, ob die Deutschkonservativen (an denenindessen die Minister gar keine Freude haben) ihre Stimmen auf mich vereinigenwollen. Die nächsten Tage werden somit Besprechungen über die politischenAnsichten resp. Ansprüche bringen und ich erklärte Schott, daß ich meine Be-dingung ernstlich nehme und mich nur dann zu einer Wahlkandidatnr entschließenkönne, wenn die Deutschkonservativen auf Grund meiner Ansichten resp. trotz der-selben gleichfalls mich zur Übernahme des Mandats auffordern würden.
30. Juni 1878.
Letzten Mittwoch Versammlung der deutschkonservativen Partei. Fetzerkündigt mir am Donnerstag eine Deputation derselben auf Montag (späterDienstag) an.
Große Zweifel, wie ich mich zu dem Programnisi derselben verhalten soll?Nicht unbedingt zustimmend.
Stuttgart, den 29. Juli 1878.
Endlich sind Gottlob die Wahlsuiten beendigt. Was aus diesem deutschenHexenkessel herauskommen wird, muß sich morgen zeigen. Mir ist es am wahr-scheinlichsten, daß die Zahlen der Parteien sich nicht wesentlich ändern, höchstensmit 20—30 nach rechts verschieben werden. Allein innerhalb der national-liberalen Partei wird die Stimmung gemäßigter, konservativer sein. Dann mußes eben biegen oder brechen.
Stuttgart, den 8. August 1878.
In den letzten Tagen mehrfache Besprechungen mit Max Römer über seinekünftige Parteistellung im Reichstag; am Dienstag nahm auch Präsident Werner sian denselben Teil. Derselbe hat keine Lust, zu den Nationalliberalen zu gehen,so lange Lasker dort herrscht, will sich aber zunächst auch den Freikouservativengegenüber nicht binden.
Erörterung der Möglichkeiten: Lasker mit dem linken Flügel der National-liberalen tritt aus; dann würde in wünschenswerther Weise der rechte Flügelfür sich bleiben, der Regierung gegenüber eine wohlwollende Haltung eiunehmenund die doktrinären Konsequenzreitereien unterlassen resp. verbessern können.Oder: der rechte Flügel ist in der Minderzahl und tritt aus. Diese Eventualitätwäre mir weniger erwünscht; unter Gneist's und Treitschke's Leitung möchte ichnicht sein. Die Trennung von Bennigsen fiele mir schwer. Wo wären geeigneteFührer für eine solche liberale Reichspartei? Am wahrscheinlichsten scheint mir,
si Ein Referat über die zweite Versammlung der dentschkonservativen Partei in Stutt-gart, welche beschloß, mit Hölder über die Annahme der Kandidalur in Verhandlung zu treten,s. in Nr. 149 der Stuttgarter „Neuen Zeitung" vom 28. Juni 1818.
si Präsident der württembergischen Centralstelle für die Landwirtschaft in Kannstat.Derselbe trat demnächst der deutschen Reichspartei bei.