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2 (1895) 1847 - 1879
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286
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286 Die erste Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Stuttgart, den 12. Juni 1878.

Meine Gründe gegen Annahme einer Wiederwahl sind folgende: Dienationalliberale Fraktion im Reichstag wird in doktrinärer Weise geführt.Damit hängt diese Centralisirnngssucht zusammen, der die einzelnen Staaten nurgeduldete Organisationen sind. Außerdem hat der Doktrinarismus zu dem Frei-handclssystem geführt, das keinen Schutz für die nationale Arbeit kennt und zuden verklausulierten Strafartikeln, welche eine kräftige Repression hemmen. Vondiesem Standpunkt aus werden Verbesserungen der Gewerbeordnung (Strafe desKontraktbruchs rc.) angestrebt; das Gesetz über den Unterstützungswohnsitz, dermit 2 Jahren erworben wird, hat den Heimatbegriff im öffentlichen Recht auf-gehoben. Und anderes mehr. In allen diesen Dingen weiche ich nun von derdurch Laster, Bamberger n. s. w. geführten Mehrheit der nationalliberalenFraktion ab, und in Folge davon ist meine Stellung in derselben eine unbehagliche,da ich nie weiß, ob ich nicht in die Lage komme, meinen Austritt erklären zumüssen. Zudem kommt, daß Ganpp, Elben w. mich offenbar schon seit Jahrenin Berlin als Partiknlaristen verschrieen haben. Eine Folge davon ist es ohneZweifel, daß, obwohl ich Mitglied des Vorstands bin, und zwar gemäsz vementschieden ausgesprochenen Willen der Führer, ich doch nicht in das engsteVertrauen derselben gezogen werde. Möglicherweise hängt dies auch mit derZugeknöpftheit der Norddeutschen und damit zusammen, daß meine geselligenWege in Berlin andere sind als die Bennigsen's u. s. w.

Diese verschobene persönliche Situation im Reichstag dachte ich mm längstschon durch Ablehnung einer Neuwahl zu lösen. Es geht so am gelindesten.Denn wollte ich als gewählt aus der Fraktion anstreten, so müßte es notwendigunangenehme Erklärungen herüber und hinüber zur Folge haben. Und dannwürde es sich fragen wohin? Die Freikonservativen sind mir doch zu konservativ;die Partei in schlimmen Tagen verlassen geht auch nicht; übeidics würde Über-gang zu einer andern Partei stets ungünstig beurteilt. Wilder kann ich auchkaum werden. Eine freisinnige Reichspartei mit föderativer Färbung giebt esnicht mehr und es besteht keine Aussicht einer Neubildung.

Vor Tisch kam N. zu mir, um über die Wahlen zu sprechen. Ich setzteihm meine Bedenken gegen eine Wiederwahl auseinander. Er erwiderte: ichkönne mich einer Wiederwahl unmöglich entziehen, schon wegen meiner Stellungals Präsident der württembergischen Kammer nicht; es wäre der größte politischeFehler, wenn ich es thäte. Dies sei sein Gefühl und er täusche sich darin selten. Errate unr daher als Freund, eine Wiederwahl nicht abzulehnen. Vorausgesetztsei natürlich meine Zustimmung zu Spezialgesetzen gegen die Sozialdemokratie.In diesem Fall werde weder die Regierung noch die konservative Partei hier-gegen meine Wahl sein, sie vielmehr wünschen.

(Folgt eine Mitteilung von dem Besuche eines Verwandten.) Auch ererklärt es für unmöglich, daß ich die Wahl ablehne. Der nationalliberalenPartei gehöre die Zukunft, aber sie müsse den Doktrinarismus Lasker's ausstoßen,sonst werde sie durch Jahre der Trübsal gehen müssen, bis sie wieder aufkomme.