272 Die zweite Session der III. Legislatur-Periode des Reichstags
er schon vor einem Jahr dafür gewesen. Harte Angriffe gegen ein solches Ver-halten der Regierung ff.
Am Samstag rannen Camphausen die Thronen herunter. Bismarck werdeihm bezeugen müssen, daß er öfter seine Entlassung angeboten, spricht von denVerhandlungen (offenbar die in Varzin), deren Inhalt er nicht kenne, bei denenes sich aber offenbar uni den Satz handle: Oto-toi, guo js rn'^ inotko.
Mein Eindruck war: Bismarck hat cs Camphausen schlecht gemacht; diesergeht, dadurch giebt es Raun, für die Nationalliberalen. Betreffend die ÄußerungBismarck's über das Tabakmonopol st, so wird er init sich reden lassen. Bennigsenhatte außerdem selbst in der Fraktion gesagt, unter gewissen Voraussetzungen undäußerstenfalls könne er bis zum Monopol gehen st.
Allein die Sache kam anders und es spielen da offenbar Atomente mit, welchedie Fraktion nicht erfährt.
In der Fraktionssitzung gestern erklären die Führer: nach den Vorgängender letzten Tage müssen die Verhandlungen mit Bismarck für abgebrochen gelten.Man dürfe zwar auch jetzt keine systematische Opposition machen, allein wo immernötig eine sachliche, sich auf Auflösung vorbereiten; kurz, es war Feuer im Dach.Zur weiteren Begründung dieser Anschauung wurde nur beigebracht: von Bennigsen,daß zwischen ihm und Bismarck über das Tabakmonopol gar nicht verhandeltund erfterem die gestern ausgesprochene Ansicht Bismarck's durchaus unbekanntgewesen sei; von Laster: er habe bestimmt erfahren, daß die preußische Regierungschon längst im Prinzip fürs Monopol sich entschiedenst.
Endlich werden die Äußerungen Bismarck's, er wünsche und hoffe noch rechtlange mit Camphausen zusammen zu arbeiten, als ernstlich gemeint angesehen.
Samstag Unterredung mit dem Minister von Mittnacht, mit dem Bismarckvorzugsweisest über den Stellvertretungs-Gesetzentwurf verhandelte.
st Der Entwurf des Tabaksteuergesetzes wurde bekanntlich in der Budgetkommission be-graben, und das einzige Ergebnis des in dieser Session vorgelegten, groß angelegten Stener-reformplans war das Gesetz vom Z. Juli 1878, betreffend den Spielkartenstempel.
2 ) Über Bismarck's Differenzen mit der Reichstagsmehrheit wegen des Tabakmonopolsund dadurch erfolgter Riß mit den Liberalen s. die „Post" Nr. 147 vom 30. Mai 1878 (Auszugaus einem Artikel der „Germania": Bismarck's Popularität).
2) Vergl. oben S.267.
i) Nach dem Buche Böttcher's: „Eduard Stephani. Ein Beitrag zur Zeitgeschichte", Leipzig1887, fand gleich nach der betreffenden dramatischen Reichstags-Sitzung eine Konferenz dernationaüiberalen Führer bei Forckenbeck statt. Stephani hatte Herrn von Bennigsen bereits amAbend vorher dringend gebeten, nicht in die Regierung zu treten, und ihn auch in verwandterStimmung gefunden. Heute hatte nun während der Sitzung Bennigsen eine Konferenz mitdem Kanzler gehabt, über deren Ergebnis Stephani wie folgt berichtet: „Bennigsen erzählteuns, daß er soeben dem Kanzler den Abbruch aller weiteren Verhandlungen erklärt habe, weilBismarck von uns Verpflichtung auf das Tabakmonopol verlangt und alle konstitutionellenGarantien verweigert habe. Wir alle sagten: Gott sei Dank! Am folgenden Tage wurde vondem Plenum der Fraktion nach einer Rede Bennigsens der Abbruch der Verhandlungen ein-stimmig gebilligt."
5) Auch mit dem bayerischen Minister von Pfretzschner und mit dem sächsischen Gesandtenvon Nostitz verhandelte Bismarck über diesen Gesetzentwurf persönlich.