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Die zweite Session der III. Legislatur Periode des Reichstags
deutschen in der Reichsverwaltung zur Beruhigung der Süddeutschen sei gering,man wurde ihn bald nicht mehr als solchen anerkennen. Das Reichs-Zustizamthabe seinen Mann. Mit der Stellvertretung werde es nicht gefährlich werden.Stosch und Stephan würden wohl lange warten müssen, bis Bismarck von einersolchen Ermächtigung zu ihren Gunsten Gebrauch mache').
Dienstag, den 19. Februar, fragte ich Bennigsen über die Sache, sprach ihnnur kurz: Das verstehe sich, daß bei Reichsämtern, die eine Aussicht über Staats-verwaltungen zu führen hätten, nicht von einer Verbindung mit preußischenMinisterien die Rede sein könnte; es handle sich wesentlich um die Finanzen.
Berlin, den 23. Februar 1878.
Ans heute Abend hat Bismarck die Reichstagsabgeordneten zu einer Soireeeingeladen. Die Einladung lautet jedoch nicht ans eine Reihe von Sonnabenden,sondern nur ans heute, ohne Zweifel deshalb, weil der Kanzler nicht weiß, ober nicht durch die Teilnahme an Kongressen behindert ist. Ich werde hingehen,mir ihm damit meine Ehrerbietung zu bezeugen.
Das Gesetz, betr. die Stellvertretung des Reichskanzlers, ist gestern im Reichs-tag eingebracht worden, die 2. Beratung dürfte gerade um die Zeit von KönigsGeburtstag stattfinden. Da der Staatsminister Mittnacht an der Beratung un-bedingt Teil nehmen will, so reist er morgen nach Stuttgart, um bis dahinwieder in Berlin zu sein.
Berlin, den 25. Februar 1878 (Montag).
Die letzte Woche war politisch höchst interessant. Am Dienstag fand dieOrient-Interpellation statt, die von Bennigsen vortrefflich begründete. Der Kanzlerschien nur das gute Vernehmen Deutschlands zu Rußland besonders zu betonen,daher die Nichtbesriedignng der englischen Blätter und die kühle Beurteilung durchdie österreichischen begreiflich, von ihrem Standpunkt ans berechtigt.
Mittwoch Fraktionssitzung über die Steuervorlagen resp. über die Verhand-lungen mit dem Reichskanzler. Gesichtspunkte der Führer resp. Lasker's: KeineStenern mit relativ unbedeutendem Ertrag, sondern Steuerreform, um das Reichans eigene Füße zu stellen. Keine Steuerreform ohne Steuerbewilligungsrechtim Reich und in Preußen und ohne Organisation entsprechender Organe derReichsverwaltung. Reichsämter verbunden mit preußischen Ministerien, zurSicherung der einheitlichen Politik des Reichs und Preußens. Beteiligung Bennigsen'su. s. w. an der Regierung, zur Sicherung einer mit der Mehrheit überein-stimmenden Negierungspolitik.
Ich nehme in der Fraktion das Wort zur Bezeichnung meines Standpunkts;billige im Wesentlichen das Vorgetragene und erkläre mich für Vereinigung derFinanzpolitik des Reichs und Preußens in einer Hand aus Gründen der prakti-schen Notwendigkeit. Es möge sein, daß eine solche Personalunion auch in irgendeinem oder andern sonstigen Verwaltnngszweige geboten; im andern wäre sie
') Am 18. abends Trauungsfestlichkeiten im Königlichen Schlosse. „Fürchterlich voll,langes Warten nnd Stehen in der Kapelle, nachher Gedränge an den Büffets."