1879
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Vorziner Verhandlungen'), unter Auferlegung strengster Diskretion. Diese Mit-teilungen, obwohl ziemlich allgemein gehalten, waren doch interessant und kon-zentrieren sich in Folgendem: Die Verhältnisse im Reich und auch in Preußenseien nachgerade unleidlich geworden. Gesetz-Entwürfe wurden vorgelegt, für dieniemand die Verantwortung trage. Reibungen, Schwierigkeiten nach allen Seiten.Das Budget steige naturgemäß an, dabei fehle es an einem durchgreifendenSteuerreformplan. Daher notwendig wirklich verantwortliche Regierung, die aberauch mit der Reichstagsmehrheit engste Fühlung haben müsse. Bismarck sehe diesein, habe in dieser Richtung mit Bennigsen gesprochen. Reichsministerien könneman wegen der Schwierigkeiten nicht erlangen; daraus sei die Stellvertretungsvorlageentstanden. Irgend etwas werde in dieser Richtung zu erreichen sein. Die Be-willigung neuer Stenern müsse man als Pressionsmittel in der Hand behalten,sowohl dem Bundesrat gegenüber als (wie mir schien, jedenfalls dem Sinne nach)auch dem Kaiser und Bismarck gegenüber, um (kurzgesagt) eine parlamentarischeReichsverwaltnng zu erzwingen ^). Insbesondere müßten die Finanzen des Reichsund Preußens in eine Hand (Bennigsen's) kommen. Letzterer Name wurdenicht mit dieser Deutlichkeit genannt. Appell an die nationalliberale Partei, hier-für fest und einig einzutreten.
Beunruhigung bei mir, ob und in wie weit ich mich entschließen kann, wiemich erklären, um in keine schiefe Stellung zur Partei zu kommen. Am Dienstagmit dem Abgeordneten Freiherrn von Stausfenberg hierüber gesprochen; insbesonderein Bezug aus die beabsichtigte Verbindung preußischer Ministerien mit Reichs-ämtern, die mir bei verschiedenen Ressorts (z. B. bei dem Reichs-Eisenbahn-Amt)bedenklich scheint. Stausfenberg sagte mir: Es handle sich eigentlich nur um dieFinanzen. Die Regierungen wollten den Vizekanzler und die Verantwortlichkeiteinzelner Reichsämter zugestehen; fürchteten hauptsächlich die Verbindung einesKriegsamts mit dem preußischen Kriegsministerium und des Reichs-Eisenbahn-Amts mit einem preußischen Eisenbahnminifterinm. Um diese Dinge handle essich aber nicht, sondern wesentlich um die Finanzen. Bennigsen müsse (nach denIntentionen der nationalliberalen Führer) Vizekanzler und preußischer Finanz-minister werden. Übrigens hätten sie bei Bismarck auch das preußische Ministe-rium des Innern beansprucht (wohl für Forckenbeck?)"). Auch von ihm (Staufsen-berg) sei die Rede gewesen. Allein was bliebe für ihn? Der Wert eines Süd-
>) Vergl. oben S. 254. Äußerungen der Presse über die Verhandlungen des Fürsten Bis-marck mit den Nationalliberalen und ihr beiderseitiges Verhältnis. „Post" Nr. 57 vom 27. Fe-bruar 1878 und Nr. 81 vom 23. März 1878. Auszug aus einem Vortrage des I)r. Kreyssig:„Fürst Bismarck und die liberale Partei." „Post" Nr. 100 vom 11. April 1878, Beilage.
3) Vergl. Köbner, S. E., „Die Kanzlerkrisis", „Deutsche Rundschau" Bd. L1V (1878) S. 302bis 318. Gründe der Krisis und Mittel zur Abhilfe (Einführung der parlamentarischen Re-gierung, Einführung weiterer Personal-Unionen von preußischen und Reichsressorts, Schaffungeiner Vizekanzler-Stelle. Herstellung eines ParteicmBündnisses zwischen den Liberalen undKonservativen gemäßigter Richtung.)
3) Dieses Ministerium war nach einer Mitteilung in den „Hamburger Nachrichten" damalsnicht frei.