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2 (1895) 1847 - 1879
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Die zweite Session der III. Legislatur-Periode des Reichstags

Dieses Amendement wurde von dem Abgeordneten Schneegans namensseiner politischen Freunde zunächst in einer Fraktionssitzung der nationalliberalenPartei (4. März) erörtert, und es gelang dem Redner, die Abgeordneten vonStaussenberg, von Puttkamer und Laster davon zu überzeugen, daß die ganzeEntwickelung zu neuen Reformen in Elsaß-Lothringen dränge'). Nur meintendieselben, für den Augenblick stehe die Neuordnung der inneren Reichsangelegen-heiten weit über allem andern, auch über der elsaß-lothringischen Frage, und esscheine darum der Zeitpunkt, um letztere im Plenum des Reichstags zu erörtern,schlecht gewählt.

Bei dieser Sachlage beschloß Schneegans, nach vorheriger Besprechung mitseinen Kollegen, an Stelle der eingehenden Auseinandersetzung, wie dieselbe vorder nationalliberalen Fraktion stattgefunden hatte, eine kurze, so knapp als mög-lich gehaltene Reichstagsrede treten zu lassen, welche nur den einzigen Zweckhaben sollte, die Regierung und womöglich den Reichskanzler selbst zu veranlassen,seinen Standpunkt darzulegen.

Schneegans kam im Reichstag am 8. März 1878 zum Wort, und er hattedas Glück, den Reichskanzler zu der erhofften Stellungnahme gegenüber dengeäußerten Wünschen zu veranlassen?). Zwar wurde in der entscheidenden Sitzungdas oben erwähnte Schneegans'sche Amendement abgelehnt, dafür war es abergelungen, vom Reichskanzler die Zusicherung zu erhalten, daß die Entwickelungder elsaß-lothringischen Verfassungsverhältnisse im Sinne der Autonomie als eineauf der Tagesordnung stehende Frage behandelt werde, und daß die Regierungsich den zur Sprache gebrachten Bestrebungen in dieser Richtung wohlwollendanschließe.

Der Abgeordnete Schneegans hatte sich im Reichstag schon zum Wortegemeldet und mußte jeden Augenblick gewärtig sein, daß ihm dasselbe erteiltwürde, als sein Kollege, der Abgeordnete Bergmann (Straßburg-Stadt) zu ihmtrat und ihm mitteilte, der Geheime Rat Tiedemann, Chef der Reichskanzlei,habe ihn soeben im Aufträge des Reichskanzlers rufen lassen und ihm folgendeEröffnung gemacht: Fürst Bismarck werde den elsässischen Antragstellern ant-worten und ihr Amendement im wesentlichen unterstützen; der Kanzler sei derAnsicht, daß die beste Lösung der Frage darin bestehe, daß der jeweilige Kron-prinz des Deutschen Reichs dort dieSouveränität" im Namen des Kaisersausübe; der Kanzler stelle anheim, die elsaß-lothringische Verfassungssrage indieser Richtung und in dieser ganz konkreten Form bei Besprechung des Amen-dements zur Sprache zu bringen. Der Abgeordnete Bergmann bat Schneegans,sich mit ihm sofort zu dem Geheimen Rat Tiedemann zu begeben, um das Näherezu besprechen. Da der Abgeordnete Schneegans aber jeden Augenblick gewärtigsein mußte, vorn Reichstagspräsidenten das Wort zur Unterstützung seines An-

i) Die betreffende Rede des Abgeordneten Schneegans findet sich abgedrnckt imElsässerJournal" vom 13. März 1878, Nr. 61.

") Bezüglich beider Reden darf anf die Stenogr. Berichte S. 395 f. verwiesen werden.