Druckschrift 
2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
Seite
261
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In der reorganisierten konservativen Partei trat der Abgeordnete von Hell-dorfst mit seinem ganzen Ansehen für eine entschiedene Stellungnahme für dieZoll- und Steuerpolitik des Kanzlers ein. Aus dieser Zeit stammen die erstenweiteren Beziehungen dieses Abgeordneten zu Bismarck.

War es schon vorher ein Hauptgesichtspnnkt der Thätigkeit Helldorff'sdie konservative Partei aus dem engen Rahmen altpreußischer Auffassungauf den Boden einer weitsichtigeren Reichspolitik zu stellen und dieSchwierigkeit zu überwinden, die sich aus der Verstimmung zwischen Bismarckund den preußischen Konservativen (Kreisordnung und Schulaufsichtsgesetz)gebildet hatten, so kam es jetzt darauf an, auf ein richtiges Vertrauensverhältniszwischen dem Reichskanzler und den Konservativen hinzuarbeiten. Helldorffglaubte seinen Teil dazu beizutragen, indem er auf die Aussöhnung der Deklarantenmit Bismarck hinwirkte.

Auch aus die Aussöhnung von Bismarck mit Kleist-Retzow mag sein Be-mühen nicht ohne Erfolg gewesen sein.

Die elsaß-lothringischen Verhältnisses kamen in der zweiten Session derIII. Legislatur-Periode mehrmals st, die Verfassungsfrage besonders bei Anlaß desStellvertretungsgesetzes des Reichskanzlers zur Sprache (8. März 1878).

Bei Vorbesprechung der letzteren vertrat Schneegans bei seinen engeren Partei-genossen die Ansicht, daß die Gelegenheit wahrzunehmeu sei, um in irgend einerWeise die noch unerfüllten Forderungen zur Sprache zu bringen.

An einen sofortigen praktischen Erfolg dachte Schneegans dabei nicht, wohlaber daran, daß die elsaß-lothringische Verfassungssrage dadurch wieder auf dieTagesordnung gebracht und der Aufmerksamkeit der in Betracht kommen können-den Kreise wieder näher gerückt würde. Schneegans hegte dabei die Hoffnung,daß der Reichskanzler selbst sich veranlaßt fühlen würde, das Wort zu ergreifen,um die ihm im Laufe des Vorjahres und neuerdings wieder in den parlamen-tarischen Soireen persönlich gemachten Eröffnungen und Ermutigungen vor demReichstage zu wiederholen. Zm Einverständnis mit seinen engeren elsässischenParteifreunden brachte Schneegans zunächst folgenden Znsatzantrag zu dem Stell-vertretungsgesetz ein:

Der Reichstag wolle beschließen, am Ende des § 2 folgenden Zusatzbeizusügen:

Der Stellvertreter des Reichskanzlers für Elsaß-Lothringen hat seinenAmtssitz in Straßburg."

st Vergl. oben S. 154.st Vergl. oben S. 250.

st Ich verweise insbesondere ans die Reichstagsverhcmdlung, betreffend die Interpellationdes oberelsnssischen Abgeordneten Winterer wegen des Verbotes eines projektierten kirchlichenWochenblattesDer Elsässer", Stenogr. Verh. S. 237. Vergl. auch den Konflikt zwischen denAbgeordneten Schneegans und Frhrn. von Schorlenier-Aist, S. 252 n. 253.