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2 (1895) 1847 - 1879
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in späterer Zeit von Interesse sein könnten. Ich mußte die Berechtigung dieserAnschauung in der Voraussetzung eines freundlichen Andenkens anerkennen.Manches habe ich auch erlebt und erfahren, was einen willkommenen Beitrag zueiner Spezialgeschichte meines engeren Vaterlandes abgeben mag; denn ich habemich schon oft darüber gewundert, wie rasch die Erinnerung an interessante Ent-wickelungen verloren geht, wie schnell die Menschen wegsterben, welche allein inder Lage wären, über die innere Geschichte so mancher Vorgänge Auskunft zugeben, und wie mit ihnen die Möglichkeit einer vollkommenen Aufklärung über-haupt dahinstirbt. Endlich entspricht es meinem eigenen Wesen, jetzt, wo ichmich den Grenzen des Alters nähere, für mich selbst den Gang meiner Ent-wickelung und Erlebnisse zu fixieren und damit zu einem gewissen Abschlüsse zubringen. Da ich mich aber zu einer größeren Arbeit schwer entschließen kann,so wage ich mich nicht an eine Selbstbiographie. An eine solche werden mitRecht größere Anforderungen gestellt, als an bloße Notizen, und ich müßte mitziemlichem Zeitaufwand aus meinen gänzlich ungeordneten Sammlungen vonAktenstücken, Briefen, Zeitungsnotizen u. s. f. sowie aus den Tageblättern derbetreffenden Jahre das Material sammeln, um alles mit der wünschenswerthenGenauigkeit und relativen Vollständigkeit wiederzugeben.

So habe ich mich denn entschlossen, statt eine Selbstbiographie zu unter-nehmen, Tagebuch-Auszeichnungen zu machen, um wenigstens von jetzt an das-jenige zu fixieren, dessen Erinnerung mir selbst, meinen dereinstigeu Hinterbliebenenund je zuweilen vielleicht auch für den Gang der politischen Dinge in Württem-berg von Interesse sein mag. Dabei behalte ich mir vor, in freier Weise, wiesich Veranlassung und Zeit dafür darbietel, Erinnerungen aus meinem bisherigenLeben einznschalten. Wenn Glück und eigener Fleiß günstig sind, könnten sichso am Ende doch die wesentlichsten Elemente meines bisherigen Lebensganges zu-sammenfinden. Der allgemeine Rahmen für letzteren findet sich in den Notizendes Parlcnnents-Almanachs und in dem meine Person betreffenden Artikel des beiBrockhaus erschienenen Konversationslexikons der Gegenwart, den ich durchgesehenund ergänzt habe.

Ich werde mich bei meinen Auszeichnungen strengster Unparteilichkeit undmöglichster Objektivität befleißigen. Allein trotzdem müssen ja derartige Notizenden subjektiven Charakter an sich tragen, ganz abgesehen davon, daß sie nebenThatsächlichem auch eigene Ansichten und Anschauungen enthalten werden undenthalten sollen. Sollte ich daher ohne meine Schuld dem einen oder anderenAlaune Unrecht thun, so will ich es zum Voraus abbitten.

Und so will ich denn in Hoffnung der erforderlichen Ausdauer und einerglücklichen Hand mit denselben beginnen.

Die erste Stelle des Tagebuchs, welche uns sogleich interessiert, ist die folgende:

Stuttgart, den 20. Januar 1878.

Eine Bismarck befreundete, dem Bundesrat angehörige Persönlichkeit hatsich mir gegenüber gestern in folgender Weise geäußert: Bismarck sei in Varzin

Poschiuger, Fürst Bismarck u. die Parlamentarier. II. 17