1877
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liberalen eine engere Verbindung schaffen wollen, er habe aber nur ein Ministeriumoffen gehabt und das habe er Bcnningsen angeboten. Forckenbcck's Ernennung zumMinister ^), welchen die Liberalen immer vorgeschoben hätten, sei ihm absolut un-möglich gewesen, der Kaiser sei nicht geneigt gewesen, mehr als einen Ministerzn wechseln. Wir werden ans diese Varziner Verhandlungen unten noch mehr-mals znrückkommen und schließen auch diesen Abschnitt mit der Wiedergabe einigerBriefe, welche der Neichstagsabgeordnete Holder während unsrer Session aus derNeichshauptstadt an die Seinigen gerichtet hat.
Berlin, den 27. Februar 1877.
Gestern gegen 1 Uhr bin ich glücklich hier angekommen. Morgen soll einfeierliches Fraktionsessen sein, dem wir anwohnen werden. Ich sehe viele neueGesichter, wurde von den alten Bekannten freundlich begrüßt.
Die Geschäfte sind noch nicht im Gang und werden erst ordentlich betriebenwerden, wenn der preußische Landtag ans ist. Zur Zeit strecken sich noch die Frak-tionen im Reichstag darüber, wie viele Mitglieder jede in die Kommissionen zustellen hat.
Berlin, den 18. März 1877.
Vor einigen Tagen war ich Abends zur Soiree beim Kaiser eingeladen.Es waren etwa 200 Personen der höchsten Gesellschaft da, und es fand einschönes Hofkonzert statt, dessen Programm ich beilege. Der Flügel und dieSängerinnen waren in der Mitte eines großen runden Saales postirt, um welchenkleinere Tische standen, au denen sich die Gesellschaft niederließ. Auf zwei Seitendes Saales schlossen sich breite Räume viereckig an. An den Tischen wurde nach-her sonpirt. Einfach, auf dem Tischteppich ohne Tischtuch. Weinflaschen warenkeine aufgestellt, sondern die Diener boten kleine Weingläser auf Brettern an,nachher ebenso Champagner. Ich konnte zu einem Glas Wein und zwei KelchenChampagner gelangen. Ich rief einmal einen Diener um weiteren Wein, ohneErfolg. Nachher präsentirte man Gläser mit Wasser. Der Kaiser ging freundlichan den Tischen herum, und richtete auch an den unseren einige wohlwollendeWorte.
p Uber den Eintritt Forckenbeck's in dnS Ministerinin vergl. Wierincmn n. a. O.S. 243—248. Der Abgeordnete Or. Friedrich Boettcher schreibt hierüber: „In der national-liberalen Partei hatten sich schon damals bedenkliche Meinungsverschiedenheiten gezeigt, nament-lich auch eine gewisse Verstimmung gegen das Vormagen des Hannoveranertnms. Unterdiesen Umständen war es begreiflich, daß Bennigsen fest erklärte, nur mit Forckenbeck zusammenin die Regierung cintreten zn «volle». Diese Personenfrage und mehr wohl noch die vonForckenbeck gestellten Bedingungen waren cs nun allem Anscheine nach, was die Angelegenheitfür die nächste Zeit ins Stocken brachte." Die „Hamburger Nachrichten" brachten am 26. Mail8!1l einen ans unsre Frage bezüglichen Artikel, worin es heißt: Herr von Bennigsen stellte dieBedingung, daß die Herren Forckenbeck und Stanffenüerg mit in das Kabinett eintrüten. DieseBedingung zn erfüllen, war nicht möglich, da der König sich nicht dazu entschließeiHkonnte,zwei Minister zn entlassen, um sie durch so avancierte Politiker zn ersetzen. Der König warentschieden gegen die Idee, der nationalliberalen Fraktion in dieser Weise daS Ministeriumeinzuränmen, und verbot weitere Verhandlungen.