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Die erste Session der III. Legislatur-Periode des Reichstags
durch Berlin passiert'). „Nach dem, was über das Ergebnis der zn Varzin ge-pflogenen Verhandlungen verlautet, steht eine Lösung der obschwebenden Krisisweder in den wenigen Tagen dieses Jahres noch zn Anfang des nächsten inAussicht. Als positiv kann jedoch gelten, daß Fürst Bismarck an der Notwendig-keit der Hereinziehnng von Elementen sesthält, welche eine unmittelbare Fühlungmit der Mehrheit der Nolksvertretnng repräsentieren. Die Einladung, welchevon seiten des Fürsten Reichskanzlers an Herrn von Bennigsen erging, war ineinem eingehenden Schreiben erfolgt, das in der entgegenkommendsten und herz-lichsten Weise abgefaßt war-). Herr von Bennigsen erhielt das Schreiben amTage der Schlußsitzung des Abgeordnetenhauses. Kurz vorher war ein Kabinetts-knrier Sr. Majestät des Kaisers mit geheimen Depeschen an den Reichskanzlerabgegangen."
In Varzin sollte die Einigung über die Personenfrage erzielt werden"); dieneuen organischen Veränderungen, welche Bismarck nach dem Abgänge Delbrück'sfür notwendig hielt, scheinen schon früher erörtert worden zn sein. Wenigstensverlautete, Bennigsen sei infolge seiner Unterredung mit Bismarck am lO. oderl t. April 1877 von dem letzteren zu der vertraulichen Mitteilung an seineFraktionsgenossen ermächtigt worden, daß in Bälde das Reichs-Finanzamt mitdem preußischen Finanzministerium vereinigt werden und der preußische Finanz-minister der geborene NeichSkanzlewAmts-Präsident sein sollte.
So viel auch darüber geschrieben worden istch, der wahre Sachverhalt derVarziner Verhandlungen und der Minister-Kombination Vennigscn's ist bis heutenoch nicht aufgeklärt. Fürst Bismarck selber hat in einein Privatgespräch sich dahingeäußert: Zur Zeit der Varziner Verhandlungen habe er sehr gern mit den National-st Bereits Ende Juli 1877 hatte Bennigsen nach der Rückkehr ans Italien einen Besuchin Barzin gemacht. Vergl. die „Post" vom 28. Juli l877, Nr. 189.
Dasselbe datierte vom 19. Dezember >877.
3) Diesem Gedanken gab .Bennigsen auch in derReichstagSrede vom >8. April 1877 AnS>druck. Infolgedessen widersehten sich die Nationaltiberalcn ans ausdrücklichen Wunsch des Fürstendem Antrag der Fortschrittspartei — der deshalb gar nicht eingebracht wnrde — ans Vorlegungeines MinisterverantwortlichkeitSgesetzes.
*) Vergl. darüber die „Rassische Zeitung" vom 4. Januar 1878, Nr. 3: Die
Varziner Verhandlungen; >5. Januar 1878, Nr. 12: Stellung der Fortschrittspartei dazu;13. Oktober 1881, Nr. 478: Weshalb Bennigsen nicht Minister' wnrde; 14. Oktober 1881,Nr. 480: Noch einmal die Ministerkandidatnr Bennigsen's; 25. Oktober 1881 , Nr. 498: DieVerhandlungen zwischen Bismarck und Bennigsen; l. November 1881, Nr. 510: Noch einmalBismarck »nd Bennigsen; 10. April 1884, Nr. 172: Gewinnung Bennigsen's znm Eintrittin das Ministerium; 12. April 1884, Nr. 174: Gewinnung Bennigsen's und Mignel's znm Ein-tritt in das Ministerium; die „Post" vom 30. und 31. Dezember 1877, Nr. 343 und 344: Var-zinerZusammenkunft und Äußerungen deS „Hannover'schen ConrierS" darüber vom 4. Januar 1878,Nr. 3. Äußerung der „Tribüne", Beziehungen Bismarck's zn den Nationalliberalen; 5., 8.und 10. Januar 1878, Nr. 4,7, 9. Äußerungen verschiedener TageSblatter („Hannoverscher Courier,"„Volkszeitung" „Times") über die Varziner Verhandlungen; 22. März 1878, Nr. 80: Der Reichs-kanzler und die Nationalliberalen; 1. Mai 1878, Nr. 118: Äußerungen der „NorddeutschenAllgemeinen Zeitung" über das gescheiterte Eintreten Bennigsen's in das Ministerium; s. auchdie „Post" 1881, Nr. 279, 281, 282, 289 und 1883, Nr. 25.'