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2 (1895) 1847 - 1879
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252 Die erste Session der III. Legislatur-Periode des Reichstags

Fürst Bismarck hörte Braun's Ausführungen mit Interesse an und versichertedemselben, daß er Österreich liebe, daß das Gewitter von 1866 notwendig ge-wesen sei, um die Luft zu reinigen, daß er aber auch damals sich der Annexionvon Böhmen und Mähren widersetzt und Österreich nichts Unwürdiges zn-gemutet habe.

Österreich so sagte er weiter konnte den Verlust seiner italienischenStellung, welche ihm keine Anlehnung gewährte, ohne großen Schmerz schonverwinden. Etwas Andres ist es mit Deutschland. Österreich-Ungarn ist eineigentümliches Mosaik verschiedener Nassen, Religionen und Völker; deutsche,magyarische, slavische und romanische Stämme wimmeln dort bunt durcheinander.Ist dieses Mosaikbild ganz allein sich selbst überlassen und beginnen desseneinzelne Stifte einander zu stoßen oder zu schieben, so befindet es sich in Gefahr,auseinander zu fallen. Ist es aber an einer dauerhaften Wand angebracht oderauf einem unverrückbaren Boden befestigt, so kann selbst eine Veränderung dermusivischen Zusammenstellung ohne Gefahr sich vollziehen. In dem erfterenFalle führt jede Differenz im Znnern auch zu einer Krisis nach außen. Imletzteren dagegen mögen die inneren Fragen in Ruhe und Frieden ihre Verständigungsuchen, ohne nach außen zu explodieren. Man denke, was ersteren Fall anlangtan die gegenwärtige Koinzidenz der An'sgleichskrifis und der türkischen Wirren.

Um in solchen schwierigen Fragen nicht mißverstanden zu werden, muß manvor allem sagen, was man nicht will. Wir wollen nicht die Wiederherstellungdes deutschen Bundestages. Den» er war nur der organisierte Krieg zwischenÖsterreich und Preußen. Er verleitete Deutschland, sich in die inneren Angelegen-heiten des Donau-Reiches einzumischen, und Österreich, sich für jede jämmerlicheKabinettsintrigue im deutschen Bundestags-Wirrwarr zu engagieren. Wir schicktenunfern sächsischen Beust und unfern württembergischen Rechberg nach Österreich,und Österreich seinerseits schickte wieder seine Grafen Leiuingen und PrinzenSolms nach denMittelreichen" von Deutschland. Wir haben beiderseits dabeizu viel Schmerzens- und Lehrgeld bezahlt, um nicht zu sagen: Laß', Vater,genug sein des grausamen Spiels. Es mochte für die Beuste und Rechberge,für die Leiningen und Solmse recht schön sein, aber wir andern, wirAchivi",sowohl an der Donau und der Theiß, als an dem Rhein, der Isar und derSpree, haben darunter gelitten. Wir wollen ferner auch nicht wieder, wie zurZeit des seligen Herrn von Bruck, dein Phantom der Zolleinigung nachjagen.Wir haben bei der Münzkouvention schlechte Erfahrungen gemacht, mir habeninfolge derselben jetzt die österreichischen Silberthaler aus dem Halse; ihre Ein-lösung, die im Interesse unsrer Müuzreform notwendig ist, wird uns nicht erspartbleiben und eine stattliche Summe Geld kosten. Auch eine Zolleinigung ist un-möglich zwischen zwei Staaten, in welchen Geldumlaufs-, Produktions- und Kou-sumtions^Verhältuisse so verschieden sind, wie zwischen dem Deutschen Reich undder österreich-ungarischen Monarchie. Etwas Andres ist es dagegen mit Erleichterun-gen des Grenzverkehrs, welche für beide Teile ebenso erwünscht als praktikabel sind.Wir wollen endlich nicht eine nur vorübergehende Vereinigung boe, etwa zum