1877
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Stauffenberg, welcher von jeher und mit Sachkenntnis und besonderem Wohl-wollen für die elsaß-lothringischen Angelegenheiten in die Debatten eingegriffenhatte, als der künftige „Minister" des ans neuer Basis konstituierten Reichs- oderKaiserlandes genannt.
In der Eröffnungssitzung des Landcsansschnsses am 10. Dezember 1877besprach der Alterspräsident Flnrer das Gesetz vom 2. Mai 1877, „das fürunser Land von größtem Werte ist," indem er hinzufügte, „man verdankte es derHaltung unsrer elsässischen Abgeordneten im Reichstag und den zahlreichenSympathien, welche unsre Sache in dieser Versammlung gefunden hat." Inder Schlußsitzung vom 23. Dezember faßte diese Versammlung den Beschluß, denWunsch anszusprecheu, „daß dem Lande eine eigene Verfassung als Bundesstaatgewährt werde mit dem Sitze der Negierung in Straßburg und Vertretung imBnndesrate."
In der Auseinandersetzung, welche sich an diesen Beschluß anknüpfte, wurdevon dem Antragsteller, Rechtsanwalt Ferdinand Schneegans (Vetter des Neichstags-abgeordneten Schneegans)') sowie von dem Abgeordneten Baron Zorn von Bulachdie Errichtung eines „Kaiserlandes" mit Personalunion, nach Luxemburger Muster,erwähnt und darauf hingewiesen, daß nach dieser Richtung hin die Wünsche derelsaß-lothringischen Bevölkerung Befriedigung finde» düiften.
In seiner prinzipiellen, allgemeinen Fassung war dieser Beschluß des Landes-ausschusses von großem Werte für die autonomistischen Bestrebungen im Reichs-tag und in den höheren Regierungs- und Gesellschaftskreisen in Berlin.
Im Zahre 1877 hatte der Abgeordnete Karl Braun eine zweite Unter-redung 2) mit dem Fürsten Bismarck über das Verhältnis Deutschlands zu Österreich.Braun hatte sich in der österreichisch-ungariscben Monarchie, die er bis in dieäußersten Winkel bereist hatte, nach Kräften informiert über die Stimmungengegenüber Deutschland. Was ihn beunruhigte, waren die schutzzöllnerischen Be-strebungen der österreichischen Industriellen, welche Deutschland in die nämlicheRichtung zu drängen suchten.
Dem Freihändler Karl Braun graute vor solchen Plänen. Zwar fürchteteer nicht, daß die Deutschen wieder Österreicher niederer Ordnung werden würden,wie sic cs unter Metternich .waren, aber er fürchtete einen Pakt andrer Art.Einen Pakt Do ut äos, taoio ut kaems. Sein Trost waren die Ungarn, dieeiner neuen mitteleuropäischen Kontinentalsperre widerstrebten und keine Lusthatten, sich von den österreichischen Schutzzöllen ausbeuten zu lassen. Die dortigenFreihändler befürchteten von den Schutzzöllen Erschwerung ihres Vieh- und Ge-treide-Exportes und wollten lieber gar keine Zölle. Die ungarischen Schntzzoll-interesfenten wollten zwar eine chinesische Mauer, aber sie wollten solche an derLeitha, d. i. gegen Österreich.
>) Über eine Wahlrede deS Abgeordneten Schneegans in Bnschweller am 7. Jnni 1877vergl. Schultheß, Geschichtskalender S. 117.
2) Vergl. oben S. 2vv n. znm Folgenden die „Deutsche Revue" Jahrg. X. Bd. I.