Druckschrift 
2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
Seite
250
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2',n Die erste Session der III. Legislatur-Periode des Reichstags

Am 10. März 1877 wohnten die Abgeordneten Bergmann, Nessel nndSchneegans einer Fraktionssitznng der Nationalliberalen bei. Zuerst ergriff derletztere das Wort, welcher der Klarlegung seines Standpunktes die bündigeErklärung voransschickte:Wir treten vor Sie, als deutsche Abgeordnete einesdeutschen Landes." Sowohl bei der nationalliberalen als auch bei den andernbeteiligten Fraktionen wurde der Schritt der drei autonomistischen Abgeordnetengünstig ausgenommen.

Die elsaß-lothringische Gesetzesvorlage gelangte am 17. März im Reichstagzur ersten Beratung. Der Reichskanzler beteiligte sich an derselben nicht. DieNegierung war durch den Unterstaatssekrctär Herzog vertreten. Die elsaß-lothringischen Verhältnisse wurden von allen Seiten einer weitgehenden Besprechungunterzogen, wobei die autonomistischen Redner Bergmann, Nessel und Schneeganserklärten, sie würden die Vorlage alsAbschlagszahlung" annehmen, obgleich ihreWünsche viel weiter gingen, da sie eine Abänderung der Verfassung, durch welcheElsaß-Lothringen den andern deutschen Staaten gleichgestellt und zunächst dieNegierung in das Land selber verlegt würde, anstrebten. Die Beratung endetemit der Annahme des Negierungsentwnrfs.

An die Einbringung einer weitergehenden Vorlage war in dieser Sessionselbstverständlich nicht zu denken. Die autonomistischen Abgeordneten beschränktensich darauf, die Frage, so oft dazu die Gelegenheit geboten wurde, in denparlamentarischen Soireen des Reichskanzlers sowohl mit dem Fürsten selbst alsmit den Abgeordneten zur Sprache zu bringen und für eine künftige Reichstags-session in dieser Weise vorzubereiten.

Schneegans verließ Berlin anfangs Mai 1877 mit dem Eindruck, daß erlind seine Gesinnungsgenossen den richtigen Weg gewählt hatten, indem sicversuchten, mit dem Reichskanzler selber Verhandlungen anznknüpfen; in Berlin,im Reichskanzlerpalais nnd am Hofe allein lag die Entscheidung, nnd dort mußteder Hebel angesetzt werden, ohne das Dazwischentreten der Straßburger Instanzenanznrufen. Die Herren hatten das Gefühl, daß das bekannte französische Sprich-wort auf ihre Lage passe:II vaut inisux s'aärosssr ä Dion gn'ä 868 saints."

Die elsaß-lothringische Verfassungsfrage war durch die Reichstagsdebattein Fluß geraten. Sie blieb nun sowohl in Elsaß-Lothringen selbst als auch inder uberrheinischen Presse auf der Tagesordnung. In den Zeitungen wurde sienach allen Richtungen und bis in die Modalitäten ihrer eventuellen Ausführungerörtert; man sprach voll Einsetzung einer Statthalterschaft, von Personalunionmit dem deutschen Kaiser, wie Luxemburg dem holländischen Königshause gegen-über, von Anschluß an das Großherzogtnm Baden, ebenfalls in Form einerPersonalunion, ja selbst von der Errichtung eines süddeutschen Königreichs. Eswurde behauptet, der Kaiser habe sich während seines Aufenthalts in Straßburgeingehend mit der Frage beschäftigt; auch wurde die Reise des UnterstaatssekretärsHerzog nach den Neichslanden im Herbst dieses Zahres mit derselben inVerbindung gebracht. Von süddeutschen Blättern wurden sogar schon Personal-fragen dabei berührt und unter andern der Reichstagsabgeordnete Freiherr von