Druckschrift 
2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
Seite
247
Einzelbild herunterladen
 

1877

247

anzusehen sei.Ich bin heute noch der Ansicht bemerkte GeneralkonsulSchneegans daß in diesen vertraulichen Zusammenkünften der Vertreter allerParteien und aller Richtungen mehr zur gegenseitigen Verständigung erreichtwird als in endlosen öffentlichen Sitzungen des Reichstags; hier wird vor-bereitet, was dort beschlossen wird; hier reift, was dort zur Entfaltung kommt.Da die Sitte und nicht ein steifes Reglement auf diesem Boden den Umgangmit anders Gesinnten beherrscht und demselben die in der Gesellschaft üblichenfeineren Formen aufdrückt, so scheiden von selber alle gröberen oder nichtsalonfähigen Disküssionsformen ans, welche in den Reichstagssitznngen dieDebatten beschweren, den Verhandlungen einen unnötig gehässigen oder auchnur leidenschaftlichen Charakter anheften und statt die verschiedenen Meinungeneinander näher zu führen, dieselben zu immer schrofferem Gegensatz zu einanderbringen. Wenn ich in der Lage war, während meiner parlamentarischen Thätig-keit meinem engeren Lande Elsaß-Lothringen einige Dienste zu erweisen, manchesanszngleicheu, manches vorzubereiten, so muß ich dies darauf znrückführen, daßmir unter anderm diese Gesellschastsabende beim Fürsten die Gelegenheit boten,mit den höchsten Vertretern der Regierung, mit den Mitgliedern des Bundes-rats, mit den Abgeordneten aller Parteien in vertraulicher Weise und in derbesonderen, für jeden sich anpassenden Form unsre Lage zu besprechen, unsreWünsche zu formulieren und die Pforten zu finden und zu öffnen, welche unsden Durchgang zu der von uns erhofften Verfassung und Neugestaltung erlaubenwürden."

Als der Abgeordnete Schneegans mit seinen unterelsässischen Kollegen inder ersten parlamentarischen Abendgesellschaft des Reichskanzlers, am 1. März 1877,erschien ft, trat der Fürst ans ihn zu, um demselben mitzuteilen, er habe sich vondem Uuterstaatssekretär Herzog über die Optantenftage, infolge der von dem-selben eingehändigten Eingabe, mehrmals Vortrag halten lassen; die Sache seiim Gange; der Kriegsminister allein mache noch einige Schwierigkeiten, die abergehoben werden dürften. Der Fürst fügte dann noch hinzu (es klang dabei wieein Befremden durch des Fürsten Stimme), der oberelsässische ProtestabgeordneteGrad ft habe bei ihm eine Audienz in dieser Sache nachgesucht, er habe ihm ant-worten lassen, er (der Fürst) würde an diesem Tage im Reichstage zu sprechensein, und als Herr Grad ihm dort die Optantenangelegenheit auseinandersetzte,habe er ihm geantwortet:Sie kommen xv8t tbstum, ich habe die Sache schonmit ihren unterelsässischen Kollegen erledigt." Der diesen Worten zu Grundeliegende Sinn kam deutlich durch den Stimmfall und durch die die Worte be-

>) Die obigen Ausführungen bilden eine schätzenswerte Ergänzung dessen, was über dieseparlamentarische Soiree in meinem WerkFürst Bismarck und die Parlamentarier" Band I,2. Auflage, S. 161 ff gesagt ist.

2) Grad, Charles, Mitglied der Loeioto inäustrielis in Mülhansen, seit 1876 Sekretärdes Bezirksrats der oberelsassischcn Baumwolle-Fabriken von Anton Herzog L Cie. in Logel-bach. Geb. 8. Dezember 1842 in Türckheim, Elsaß (kath). Verfasser zahlreicher natnrhistorischer,volkswirtschaftlicher und kulturhistorischer Schriften.