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2 (1895) 1847 - 1879
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244 Die erste Session der III. Legislatur-Periode des Reichstags

sieht, das durchzuführen, was er als notwendig erkannt hat. Fürst Bismarck hatsein Programm in der Steuer- und Zollfrage offen ausgesprochenst; er erstrebtdie Beseitigung der Matriknlar-Umlagen durch allgemeine Finanzzölle. Fernerhält er eine Reform des Eisenbahnwesens für notwendig. Diese beiden großenReformen kann er aber nur durchführen, wenn er unterstützt wird von dempreußischen Ministerium und von der Majorität des Reichstags. Statt dieseUnterstützung zu finden, ist er auf Jndifferentismus und passiven Widerstandgestoßen. Nicht das Gespenst einer konservativen Reaktion vertreibt den Reichs-kanzler, sondern der Mangel an Unterstützung seitens der herrschenden Partei."

Die Kanzlerkrisis endigte erfreulicherweise mit der Bewilligung einesunbeschränkten Urlaubs, der sich als nichts Anderes herausstellte, als einDienst im Schlafrocke".

Am 11. April 1877 teilte der Kanzler dem Reichstag die KaiserlicheEntschließung, betr. seine Beurlaubung und Stellvertretung, mit. An demselbenTage hatte derselbe eine Unterredung mit dem Präsidenten des Reichstags vonForckenbeck st. Einige Tage später äußerte Bismarck einigen Reichstagsabgeordnetengegenüber sein Befremden, sein Schreiben vom 11. April einer Besprechung imReichstag zu unterziehen st.

Bereits oben haben wir das erfreuliche Resultat gemeldet, das die zweitenelsaß-lothringischen Wahlen gebracht hatten.

Die fünf reichstreuen Abgeordneten Schneegans, Bergmann, North st, Nesselund vr. Rack st wandten sich sofort nach ihrer Ankunft in Berlin am23. Februar 1877 mit der Bitte um Bewilligung einer Audienz an den FürstenBismarck, welche am 24. Februar. 3 Uhr nachmittags, im alten Reichskanzler-palais, jetzigen Auswärtigen Amte, in: großen Empfangssalon stattfand.

Der Fürst, der im Nebenzimmer arbeitete, ließ die Deputation nur kurzeZeit warten. Er hieß die Herren willkommen, indem er bemerkte, es sei daserste Mal, daß elsaß-lothringische Reichstagsabgeordnete sich an ihn wendeten,

>) Bergl. die Reichstagsredc Bismarcks am 10. Mär; 1877 in meinem WerkeFürstBismarck als Volkswirt", Bd. I, S. U9 f.

2) Bergl. diePost" Nr. 86 vom 12. April 1877. Wahlrede Forckenbecks in Breslau vom.7. Juli 1877:Zurück auf die Schanzen", s. Schnltheß Geschichtskalender S. 125.

2) Die Besprechung von Bismarcks Eutlassuugsgestich fand gleichwohl am 13. April 1877statt. Bennigsen pries mit begeisterten Worten die Verdienste des Kanzlers. Diskussion dernationalliberalen Fraktion über die ans Anlaß der Kanzlerkrisis aufgeworfene konstitutionelleFrage, s. diePost" Nr. 86 vom 12. April 1877. Gneist warnte vor einer Änderung derNeichsverfassung nach der Seite der Stellvertretung. Streit über die Opportunität einesVertrauens-Votums innerhalb der Fraktion.

r) North, Jean, früher Direktor der Aktiengesellschaft für Boden- und Kommunalkreditin Elsaß-Lothringen, in Straßbnrg. Geb. 8. Mürz 1828 zu Hartigheim, Landkreis Straßburg,(prot.). voetor Iuris (Fakultäten Straßburg und Paris besucht). Advokat am kaiserl. Appell.-Gerichtshof von Paris und am Landgericht zu Straßbnrg während 5 Jahren. 10 Jahre Notarzu Brumath.

5) Rack, Achille, l)r. msä., Bürgermeister von Benfeld, Ritter der Ehrenlegion. Geb.19. Juni 1815 kath.), prakt. Arzt, früher oonssil Asnsrul; Bürgermeister seit 1852.