1877
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der Steuer- und Wtrtschciftsreformcr ins Leben gerufen hat'). Ehedem war GrafStolberg gleich den meisten konservative» Landwirten Freihändler. Erinnern wirdaran, daß derselbe Abgeordnete Bismarck's Kirchenpolitik schon vor zwei Jahrenim Herrenhanse kräftig unterstützt hattet, und daß er auch für dessen Reichs-eisenbahnprojekt von Anfang an energisch eingetreten war°). Nach seiner ganzenpolitischen Vergangenheit war er sonach der Mann, der geeignet war, Bismarck'sWiederannäherung an die Konservativen in die Wege zu leiten').
Bald nach der Ausnahme Kleift-Retzow's in die konservative Partei vollzogsich dessen Wiedereintritt in das Haus des Fürsten Bismarck. Es wurde dieForm einer Tischeinladnng des Parlamentariers gewählt. Nach den Verhand-lungen zu schließen, welche dieser Einladung unter Mitwirkung des Grasen UdoStolberg voransgegangen waren, blieb es zweifelhaft, ob Kleist-Retzow förmlichwie ein andrer Abgeordneter, oder als Verwandter begrüßt werden würde. Schließ-lich sprach die Stimme des Herzens doch kräftiger, als der Wunsch, den Ab-geordneten für seine oppositionelle» Abstimmungen zu bestrafen; genug, als der-selbe in den Saal trat, begrüßte ihn die Fürstin Bismarck ans das herzlichstemit einer verwandschaftlichen Anrede.
Zu den Abgeordneten, die sich rühmen können, bei den Wahlen von 1877ans die Empfehlung Bismarck's in den Reichstag gekommen zu sein, zähltvr. Kapp5). Sein Gegenkandidat war Gras Schnlenbnrg-Beetzendorf, derselbeSchnlenbnrg, den Bismarck im Januar 1867 als einen ihm genehmen Reichs-tagsabgeordnetcn bezeichnet Halles. Der letztere war freilich inzwischen unterdie Deklaranten gegangen und zählte neuerdings zu den offenen Frondeurs desHerrenhauses.
1) Graf Mirbach trat erst später a» die Spitze.
2) Am lZ. und 15. April I87S erklärte Graf ltda Stolberg im Herrciihause, die letztepäpstliche Encyklika habe ihn offen auf die Seite des Staates gestellt. BiSmarck nahm dievon den Konservativen ihm gereichte Hand an und erkürte, es sei dies eine Brücke, um alte Be-ziehungen znr konservativen Partei, die nicht ohne schwere Verletzung für ihn zerrissen werdenkonnten, wieder anznknüpfen. — Kleist-Retzow verharrte damals noch auf seinem ablehnen-den Standpunkte.
3) Über die Genesis dieses Projektes vergl. mein Werk: „Fürst Bismarck als Volkswirt",Bd. I. S. 77, Note *. Am 20. März 1876 interpellierte Graf Udo Stolberg die Regierung inbetreff der Reichseisenbahnvorlage.
') Die Verhandlungen Stolberg's mit Bismarck über das Programm der reorganisiertenkonservativen Partei war die bedeutsamste seiner Begegnungen mit dem Kanzler, in dessen Hanseer freundschaftlich bis 1890 häufig verkehrte.
5) Kapp, Friedrich, I)r. sni-., in Berlin. Geboren den 13. April 1824 in Hamm, Prov.Westfalen (evang.), nahm 1848 seinen Abschied aus dem preußischen Jnstizdienst, lebte inBelgien, Frankreich und in der Schweiz bis Frühjahr 1850, wo er nach Amerika ging. Prakti-zierte bis 1870 als Advokat in New-Uork und war dort auch von 1865 bis 1870 Einwanderungs-Kommissar des Staates, kehrte Mai 1870 nach Deutschland zurück, wohnt seitdem in Berlin.Seine Schriften betreffen hauptsächlich die amerikanische Geschichte und den Anteil der Deutschenan der Entwickelung der Vereinigten Staaten (nat.-lib.).
°) Vergl. oben S. 83.