Druckschrift 
2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
Seite
223
Einzelbild herunterladen
 

1874-1876

223

der Direktor desElsässer Journals" und nachmalige ReichstagsabgcordneteKarl August Schneegans st betraut. Für ihn wie für seine Freunde lag derSchwerpunkt der zn lösenden Frage besonders darin, ob man überhaupt in Deutsch-land und in Berlin an eine festere Gestaltung Elsaß-Lothringens als autonomesLand denke, oder ob der damalige Bureaukratismus als Anbahnung zur Ein-verleibung in Preußen auszufasfen sei. Erschienen die Aussichten für die elsaß-lothringischen, autonomistischen Wünsche günstig, so galt es zn erwägen, welcherWeg einznschlagen sei, um zum Ziele zu gelangen.

Zur Erfüllung der ihm gestellten Ausgabe reiste Schneegans während derReichstagssession im Winter 1876 nach Berlin und verkehrte dort mit vielenpolitischen Persönlichkeiten, unter andern mit dem früheren preußischen Finanz-minister a. D. von Patow, dem Staatssekretär Hosmann, dem Unterstaats-sekretär Herzog, dem Geheimrat von Pommer-Esche und den Reichstags-abgeordneten vr. Lucius, von Forckenbeck, von Staufsenberg, vonRoggenbach, von Bennigsen, Miguel, Löwe-Calbe, Marquardsen,Hänel, Lasker, Bamberger, Rickert, Duncker, Virchow, I)r. Siemens,Delbrück, Dernburg und andern.

Bei der Besprechung mit diesen Herren gewann Schneegans die Überzeugung,daß weder die Regierung noch die Regierungsparteien im Reichstag den vonseiner Partei verfolgten Bestrebungen abhold waren, daß aber die Weiter-entwickelung der Verfassung von Elsaß-Lothringen in erster Linie davon abhängiggemacht werde, welche Stellung die elsaß-lothringischen Abgeordneten im Reichs-tage dem Reich und dem Friedensvertrage gegenüber einnähmen. Sollten dienächsten Wahlen wieder den 1873 in Scene gesetzten Protest erneuern, so müßteselbstverständlich Abstand davon genommen werden, einem Lande, das sich demReiche gegenüber als Feind aufspiele, politische Rechte zu geben, welche dasselbenur gegen das Reich verwerten würde.

Schneegans vermied es damals geflissentlich, in persönliche Beziehungen zudem Fürsten Bismarck zn treten, obwohl ihm dies von verschiedenen Seiten nahe

h Schneegans, Karl Augnst, geboren den 9. Marz 1835 (prot.). Prot. Gymn. inStraßburg, Loaävmis äs 8t,'S88boni'A' (l?aonlts ckss I.stti' 08 ), später in Paris. Im Jahre 1857Reisen nach den Donaufürstentnmcrn, als Sekretär der internationalen Kommission fürRegulierung der Donanmnndnngen; über Konstantinopel, Smyrna, Athen und Italien zurück.Sechs Jahre in Paris, als Lehrer der alten Sprachen in verschiedenen Püvatanstalten; Mit-arbeiter desTemps" (von 1866 an speziell mit den Artikeln über Deutschland betraut). 1863 nachStraßburg als Redakteur desOourisr äu Las kbin" unter Börsch; 1870 i» die Schweiz, dieHelvetia" gegründet; 1871 nach Lyon berufen, um die Redaktion des liberalenckourrml äuI. 701 ," zu übernehmen; nach dem 24. Mai 1873 durch die klerikale Reaktion verdrängt; in dasElsaß zurück, an demElsässer Journal" gearbeitet, dessen Wesen (Autonomie) er schon imIvurnal ckn I.yon" und in derHelvetia" nach dem Friedensschluss verteidigt hatte. Währendder Belagerung Straßbnrgs Mitglied der Mnnizipal-Kommission; nachher Beigeordneter (mannet)des Bürgermeisters Küß. Im Februar >871 als Deputierter für den Niederrhein in dieNationalversammlung nach Bordeaux gewühlt. Im Jahre 1877 von dem Kreise Zabern in denReichstag gewählt, dem er bis 1876 angehörte. Von da ab Ministerialrat im Ministerium znStraßburg. Gegenwärtig Kaiser!. Deutscher General-Konsul in Genua.