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2 (1895) 1847 - 1879
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222 Die II. Legislatur-Periode des deutschen Reichstags

besten sei, den Dingen ihren Lauf zn lassen nnd sich gar nicht mehr nm dasWerden des Landes zu bekümmern.

Ihrerseits blieb die Reichsregiernng auf die Dauer nicht nuthätig. Sieging aber von einem andern Standpunkte als demjenigen aus, der im Reichs-lande erwartet worden warst.

Zunächst wurde durch Allerhöchsten Erlaß vom Oktober 1874 zur Bor-beratung und Begutachtung der Gesetze für Elsaß-Lothringen und von Ver-waltungsauordnungen von allgemeiner Bedeutung der Landcsausschuß eingesetzt,mit der Maßgabe, daß jeder der drei Bezirkstage ans seiner Mitte zehn Mit-glieder in den Landesausschuß entsenden sollte.

Der Gesetzgebung^ und Verwaltuugsapparat war jetzt, und zwar bisEnde 1876 beziehungsweise Anfang 1877, in kurzem folgender: in Berlin tagtendie obersten Instanzen, der Bundesrat und Reichstag als gesetzgebende Körpersowie der Reichskanzler mit dem Reichskanzler-Amt für Elsaß-Lothringen als obersteVerwaltungsbehörde; in Straßbnrg der aus den Bezirkstagen hervorgegangeneLandesausschuß mit nur konsultativen Gesetzgebnngsbefuguissen und das Ober-präsidinm als zweite, im Lande residierende Verwaltungsbehörde; ferner dieBezirkstage und Kreistage mit Bezirkspräsidenten und Kreisdirektoren, ankuüpfendan die französischen Oonsoils gönoraux, Oonsoils ä'arrouäissomonsi krotots und80 U 8 -krot 8 t 8 .

Die Einsetzung des konsultativen Landesausschusses war zwar von demkleinen Kreise derjenigen als ein Fortschritt begrüßt worden, welche, jedwederagitatorischen Politik abhold, den Wiederaufbau ihres Landes ans der Grundlagedes Friedeusvertrages zum Ziele ihrer politischen Thätigkeit genommen hatten;sie konnten sich aber doch der Empfindung nicht verschließen, daß die langsameund behutsame Gangart der Regierungsmaßregeln auf die Länge gerade in den-jenigen Bevvlkerungsschichteu, die ihnen bis dahin die Hand zur gemeinsamenArbeit gereicht hatten, eher Unzufriedenheit als das Gegenteil hervorzurufengeeignet sein dürfte. Die Reichstagswahlen hatten den Wagen aus dem Geleisegebracht; die Reichstagsverhandlungeu führten ihn immer weiter vom Wege ab;die Einrichtung des nur konsultativen Landesausschusses befriedigte nur inbeschränktem Maße; es bemächtigte sich der nicht protestlerischen Bevölkeruugs-kreise allmählich das Gefühl einer Versumpfung im Provisorium.

Zn jener Zeit beschloß eine Gruppe von Männern, welche die Errichtungbeziehungsweise Entwickelung Elsaß-Lothringens zum autonomen Bundesstaat alsdie einzige richtige Lösung erkannt hatten, den Versuch zu machen, erneuerte undnähere direkte Beziehungen zu den maßgebenden Kreisen und Persönlichkeiten inBerlin anzukuüpfen, um sich Klarheit über die dortige Auffassung der Lage undder elsaß-lothringischen Aussichten zu verschaffen. Mit dieser Sendung wurde

Die Stellungnahme der Regierung in den elsaß-lothringischen Verfassungsfragcn istans der Rede des Unterstaatssekretärs im Reichskanzler-Amt für Elsaß-Lothingen, Herzog, in derReichstagssitzung vom l7. März 1877 ersichtlich.