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Die Besprechungen zwischen den Führern der nationalliberalen Partei undder Reichsregiernng zogen sich noch einen Tag hin, und erst am 11. April wurdevon der Seite jener Fraktion der Beschluß gefaßt, einstimmig für das siebenjährigeProvisorium einzntretcn. Auch ist, soviel bekannt, die letzte definitive Entscheidungdes Kaisers erst Sonnabend den II. April früh erfolgt. In militärischen Kreisenwar man mit dem Resultat keineswegs zufrieden, da man dort die Ansicht ver-treten hörte, daß die Regierung die günstige Stimmung des Landes hätte benutzensollen, um damit eine Pression für die Regierungsvorlage auf den Reichstag aus-znüben. Der zu stände gekommene Kompromiß wurde in militärischen Kreisendarum vielfach mit Mißmut ausgenommen und geradezu für eine zu Gunsten derDiplomatie erlittene militärische Niederlage erachtet. Diese Auffassung zeigte abervon der größten politischen Kurzsichtigkeit. Im Laufe der sieben Jahre hat sichfür die Regierung noch jedes Mal das Bedürfnis heransgestellt, mit Nen-forderungen für militärische Zwecke an den Reichstag zu gehen. Es hätte alsoschlimmstenfalls ein noch kürzerer Zeitraum als das Septennat angenommenwerden können.
Zu der Zeit, da der Kompromiß geschlossen wurde, befand sich der frühereAbgeordnete von Blanckenburg ans drei Tage in Berlin. „Noch will ich Dir —berichtet derselbe dem Kriegsminister von Roon Z — schreiben, wie ich Bismarckgefunden habe, an dessen Krankenbett und zuletzt-Stuhl ich die drei Tage viele Stundenallein gesessen habe. Ich fand ihn ganz anders als ich dachte. Er war geistig ganzfrisch — körperlich völlig hinfällig, unfähig allein zu stehen vor Schwäche. Eswar nicht angethan, tiefer in die Lage einzusteigen, da er zum Widerspruch nochviel zu krank war. Was ich bei dieser letzten Kompromiß-Katastrophe am meistenbedanre, das ist die Art und Weise, wie es in Scene gesetzt ist. Das hat dieKonservativen seit 1867 ruiniert und wird jetzt die Nationalliberalen ruinieren,nachdem man Bethusy und Genossen parlamentarisch völlig vernichtet hat.Das schadet dem Ansehen der Regierung: erst alle Organe, auch Kommissarehineinzusetzen und dann plötzlich: linksumkehrt! Das beklage ich, aber nicht denmateriellen Inhalt des Gesetzes."
Als Fürst Bismarck im Jahre 1874 nach der Erledigung der Militärvorlagewie üblich zum Besuche der Heilquellen nach Kissingen fuhr, besuchte ihn dortu. a. auch der Neichstagsabgeordnete von Dietze-Barby. Der Zufall wollte,daß, als der Böttchergeselle Kullmann am 13. Juli ans nächster Nähe auf denFürsten Bismarck eine Pistole abfeuerte, Dietze-Barby ganz in der Nähe desThatortes war. Eilig bestieg er die Equipage, welche der König von Bayerndem Fürsten zu seinen Fahrten zur Verfügung gestellt hatte, fuhr in Karriere nachder Saline, benachrichtigte zuerst die Fürstin Bismarck und den Grafen Herbert,die im Begriff waren, dort zu baden, und kehrte dann eiligst in die WohnungBismarck's zurück. Dietze nahm an dem Verhör Kullmann's teil und stellte fest,
>) Denkwürdigkeiten desselben Bd. II, S. 685.