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Die II. Legislmur-Perwde des deutschen Reichstags
u. a.: „Ich habe 1867 im konstituierenden Reichstage gesagt: Heben wirDeutschland nur in den Sattel, reiten wird es schon können. Ich fürchte,dieses geflügelte Wort muß man wieder streichen. Der Reichstag scheint denBeweis liefern zn wollen, daß Deutschland nicht reiten kann. Der Reichstagverkennt die Situation. Einzelne hervorragende Mitglieder glauben sich durchirgend eine frühere Äußerung gebunden. Sie glauben deshalb, das nicht thunzn dürfen, was die Lage des Augenblicks gebieterisch fordert. Ich habe es andersgemacht. Ich habe stets gestrebt, neues zn lernen; und wenn ich dadurch in dieLage kam, eine frühere Meinung berichtigen zu müssen, so habe ich das sofortgethan, und bin stolz darauf, daß ich so gehandelt habe. Denn ich stelle stetsdas Vaterland über meine Person. Das gegenteilige Verhalten ist mir geradezuunbegreiflich. Ich habe mich gar nicht besonnen, sogar meine subjektive Meinungzu opfern oder unterzuordnen, wenn es das Wohl des Ganzen erheischt. Hieraber im Reichstage glauben diejenigen Herren, welche ausdrücklich ans meinenNamen gewählt sind, von welchen ihre Wähler wünschen, daß sie die deutscheReichspolitik stützen, daß sie mir gegen unsre gemeinsamen Feinde beistehen,diese Herren glauben sich dieser Aufgabe stets dann entziehen zu dürfen, wennsie dadurch scheinbar in Widerspruch geraten mit irgend einem Worte, das siean einem andern Orte, zu anderer Zeit und unter ganz andern Umständen ge-sprochen haben. Ich kann mir diese Lage der Dinge nicht gefallenlassen. Ich kann meinen europäischen Ruf nicht opfern. Ich werde,sobald ich wieder im stände bin, die Feder zn führen, meinen Abschied erbitten.Vielleicht findet sich ein andrer, welcher sich in diesem Reichstag eine Majorität,eine zuverlässige Majorität zu sichern weiß. Ich habe an andern Orten, z. B.auch im Bnndesrat, schon Schwierigkeiten genug zu überwinden; spöttelnd sagtman mir, unter Hinweisung auf das Verhalten einzelner Liberaler und derFortschrittspartei im Reichstag: Das also sind die Männer, auf die Sie sichstützen? Einer solchen Lage der Dinge, welche die höchsten Interessen desReiches schädigt, muß möglichst bald ein Ende gemacht werden; und es giebt nurzwei Mittel hierzu, entweder mein Rücktritt oder die Auflösung desReichstags."
Aus Anfrage der beiden Abgeordneten ermächtigte der Reichskanzler dieselben,diese seine Äußerungen andern mitzuteilen.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung", das Organ des Reichskanzlers,bemerkte erläuternd: „Wir hören, daß diese Relation über Unterredungen, welchedie betreffenden Herren nicht gemeinschaftlich, sondern zu verschiedenen Zeiten mitdem Reichskanzler gehabt haben, insofern einen dem Hergange nicht ganz adäquatenEindruck macht, als der Hauptgedanke, an den der Kanzler seine Betrachtungenknüpfte, nicht wiedergegebeu ist, daß nämlich die Stärke und Stellung derFortschrittspartei und des mit ihr gehenden Teiles der Nationalliberalen dieLage unhaltbar machten. Fünfzig bis sechzig reichstreue, nicht au Zerstörung desReiches denkende Wahlkreise seien durch Abgeordnete vertreten, welche gegen dieR eichsregiernng operierten, und das zu einer Zeit, wo die reichsfeindlichen Parteien