1874—1876
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nicht bloß die Ziffer der künftigen Friedensstärke und die organische Gliederungdes Neichsheeres, sondern er traf auch eingehende Anordnungen über dessen Er-gänzung, über die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechtsverhältnisse der beider Fahne stehenden Personen, über den Beurlaubtenstand und die Ersatzreservcerster Klasse. Der Schwerpunkt des Entwurfs lag aber im § 1, welcher lautete:Die Friedenspräsenzstärke des Heeres an Unteroffizieren und Mannschaften be-trägt bis zum Erlaß einer anderweitigen gesetzlichen Bestimmung 401659 Mann.Die Einjährig-Freiwilligen kommen ans die Friedenspräsenzstärke nicht in An-rechnung.
Der Beginn der Beratung des Gesetzes im Reichstag am 16. Februar 1874ließ keinen Zweifel darüber, wie die Fortschrittspartei und die übrigen Oppositions-parteien zu dem Entwurf sich stellten. Eugen Richter erklärte, seine Partei werdeden § 1 unter keinen Umständen und in keiner Form bewilligen. Der Reichs-tag verwies die Vorlage an eine Kommission, und diese Kommission beriet an-fangs gar nicht einmal über den Kernpunkt der Frage, die Präsenzziffer, sondernüber den umfangreichen organisatorischen Teil des Gesetzes. Inzwischen ver-suchten diejenigen nationalliberalen und freikonservativen Mitglieder der Kom-mission, für welche die Notwendigkeit der Annahme des Gesetzentwurfs vonAnfang au feststand, zu einer Verständigung mit den Vertretern der Militär-verwaltung aus Grund einer etwas niedrigeren „Durchschnitts"-Präsenzziffer zugelangen, während sie 401659 Mann als Maximalfriedensstärke anerkennenwollten. Die Freikonservativen schlugen 385000 Mann vor, die Nationalliberalen360000. Die Militärverwaltung wies jedoch alle Vorschläge auf Herabsetzungder Friedensstärke sowohl als der zeitlichen Begrenzung des Präsenzstandes ent-schieden zurück. So schien denn eine Einigung ausgeschlossen, da der einzigeMann, mit welchem man zu einem Vergleich hätte gelangen können, der Reichs-kanzler, an seinem alten rheumatischen Leiden schwer erkrankt war. So war dennleider der § l der Vorlage in der Kommission am 13. März mit 24 gegen4 Stimmen, am 20. März mit 22 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Die National-liberalen, welche dagegen stimmten, thaten dies nur, um bis zur Wiedergenesungdes Fürsten Bismarck behufs der Verständigung mit diesem einen Aufschub zugewinnen.
Wie ernst Bismarck die Situation auffaßte, erhellt aus folgenden Vorgängen.
Am 27. März 1874 hatten die beiden Mitglieder des Reichstags Dietze-Barby und vr. Lucius einem Bericht der „Spener'schen Zeitung" zufolge') eineAudienz bei dem Reichskanzler. Sie besuchten die Fürstin, um sich nach desKanzlers Befinden zu erkundigen und ihre Teilnahme knndzngeben. Zum Fürstenzu gehen hatten sie eigentlich nicht die Absicht. Allein derselbe erfuhr von ihrerAnwesenheit und ließ sie zu sich bitten. Sie fanden ihn nicht so krank, wie siees nach den offiziellen Nachrichten erwartet hatten. Dagegen war der Fürstsehr unzufrieden mit dem Gange der parlamentarischen Politik. Er bemerkte
') Derselbe stammt mutmaßlich aus der Feder des Abgeordneten Wehreupfennig.Poschinger, Fürst Bismarck u. die Parlamentarier. II. 13