1874-1876
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politischen Thätigkcit im Reichstage und Herrenhanse zu suchen. Beseler warder rückhaltloseste Bewunderer der großen nationalen Politik des Kanzlers, dieja das Ziel der alten Frankfurter Erbkaiser-Partei: die Errichtung eines deutschenBundesstaates ohne Österreich unter preußischer Führung, erreicht hatte; um somehr schmerzte es ihn, daß Fürst Bismarck der Frankfurter Bestrebungen gelegent-lich nicht ohne einen gewissen Spott gedachte, was Beseler veranlaßte, dem Fürstenin einer Hcrrenhaussitznng auf eine derartige Bemerkung ungefähr zu erwidern:„Wenn das Frankfurter Parlament einen König Wilhelm und eine Schlacht vonKöniggrätz hinter sich gehabt hätte, würden seine Bestrebungen wohl auch einenandern Erfolg gehabt haben."
Der Wiedereintritt Beseler's in das politische Leben (1874) fiel mit denersten Septennats-Verhandlungen zusammen. Beseler trat damals in den Kreisender nationalliberalen Fraktion, der er sich angeschlossen hatte, energisch für dasSeptennat ein, ja seine persönlichen Wünsche gingen weiter, d. h. bis zur gesetz-lichen Festlegung der Friedens-Präsenzstärke überhaupt. Daß er in jener Zeitirgendwie in nähere Beziehungen zum Fürsten Bismarck getreten wäre, dafürfehlen Anhaltspunkte. Sein im Sommer 1874 bedeutender Einfluß aus die rechts-stehenden Teile der damaligen nationalliberalen Partei machte sich vom Herbstdieses Jahres an weniger geltend, da er sich bei einer — wenn ich nicht irre,geschäftlichen — Frage in Gegensatz zu dem Fraktionsvorstand stellte und sichdurch dessen Haltung ihm gegenüber veranlaßt sah, ans der Fraktion anszu-scheiden, der er auch nicht wieder beigetreten ist. Für seine politische Haltungim allgemeinen, für sein Vertrauen zur Politik des Fürsten Bismarck in jenenJahren mag folgender charakteristische Zug angeführt werden. Nach einem brutalenAngriff des Abgeordneten Windthorst gegen den Kanzler rief Beseler diesem ineiner kurzen Entgegnung auf die Windthorst'schen Angriffe zu, daß er gern fünfJahre seines Lebens darum geben würde, wenn er dadurch den Fürsten für dieLeitung der Reichspolitik erhalten könntest. Damals bahnte sich vorübergehendein näheres Verhältnis zwischen dem Kanzler und Beseler an; der Fürst kamihm mit besonderer Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit entgegen; ohne Zweifelsah er damals in Beseler einen überzeugten Anhänger seiner Person und seinerPolitik — und das mit vollem Recht.
Die Gründe, die später zu einer Entfremdung Beseler's von der Person desFürsten und zu einer ablehnenden Haltung gegen dessen Politik führten, lageninsbesondere auf den Gebieten der Wirtschafts- und der Kirchenpolitik. Wirwerden darauf später zurückznkommen haben.
Der Freude über die Wiederwahl des Abgeordneten vr. Völkst gab Bismarckin folgendem, am 8. Februar 1874 an Herrn W. Schnetzer in Kempten gerichtetenSchreiben Ausdruck:
>) Vergl. die ungemein sympathischen WorteBeseler'k in derReichstagssitznng vom4.Dezember1874 gegenüber dem Angriff" des Abgeordneten Windthorst. Stenographischer Bericht S. 490.
2> Vergl. S. 115.