1870—1873
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als glaubenstreuen Katholiken befunden; aus seiner Anhänglichkeit an die Welfen-Dynastie machte er kein Hehl, was ihm im Hinblick auf sein früheres, so nahesVerhältnis zu derselben nicht zu verdenken sei; zu der Annahme aber, daß erseiner nunmehrigen Unterthanenpflicht znwiderhandele oder derselben Entgegen-lansendes anstrebe, liege, meines Wissens, nicht der mindeste Grund vor. Zchkönne nur wünschen, daß der Fürst einen Spion bei unfern Fraktionssitzungengehabt habe, gewiß würde er ans denselben irgend Strafbares nicht vernommenhaben. Mit den Polen st hielten wir nur insofern, als wir gemeinsam mit ihnenunser nnd unserer Kirche bedrohtes verfassungsmäßiges Recht zu wahren bemühtseien. Auch über andere Centrums-Mitglieder noch äußerte der Fürst sich inunliebsamer Weise. So namentlich über Schröder (Lippstadt), der sich rühme, imJahre 1848 auf der Barrikade gestanden zu haben, und bei den Verhandlungenüber die Dotations-Frage anstößig hervorgetreten sei. Ich konnte darauf erwidern,daß Schröder nur im Scherz sich als Barrikadenheld aufgespielt habe, keinesfallsim Centrum zu den Tonangebenden gehöre.
Ohne daß die Unterredung zu irgend einem bestimmten Abschluß gekommenwäre, setzte der Fürst sich mit mir in Bewegung, um sich zu seinen Gästen zubegeben. Vor seinem Eintreten in die zu denselben führende Thüre richtete ichan ihn noch die Bemerkung, daß es mir schwer begreiflich sei, wie er so vielAufhebens von der Centrumsfraktion machen könne, da dieselbe doch stets Minoritätbleiben und nur in der Defensive sich geltend zu machen im stände sein werde.Mit den Worten: „Lassen wir das gut sein" gab der Fürst mir freundlich dieHand, und verabschiedete ich mich von ihm.
Im Vorgefühle, daß ein schweres Gewitter über der Centrnmsfraktionsich zu bilden im Begriff sei, notierte ich, in meiner Wohnung angelangt, sofortdas zwischen dem Fürsten und mir Vorgekommene in mein Tagebuch.
st Auch im Jahre 1877 während seines Aufenthaltes in Kissingen erklärte der Reichs-kanzler in einer Unterredung mit einigen schwäbischen Predigern, daß die „Polonisierungs-gelüste" den „Kulturkampf" hervorgernfen Hütten. Diese letztere Lesart ist seitdem bei denverschiedensten Gelegenheiten wiedergekehrt. Der vierten kirchen-politischenNovelle des Jahres >886,welche von größerer Tragweite war als die bisher zu stände gekommenen, gingen die bekanntenPolen-Vorlagen vorher. Bereits am 3. Dezember 1884 hatte Fürst Bismarck bei Beratung desAntrags Windthorst, bctr. Aufhebung des Priester-Ausweisungsgesetzes, im Reichstag erklärt:„Ich würde in dieser Frage wie in vielen andern Konzessionen gar nicht abgeneigt sein, wennmir die Bemühungen geglückt wären, in unserer Gesetzgebung eine Scheidelinie zwischen jenenLandesteilen einzuführen, welche polnische, nnd denjenigen, welche deutsche Zunge reden." Undin einer im Abgeordnetenhause am 28. Januar 1886 gehaltenen Rede hatte der Reichskanzlerals „den eigentlichen Grund, durch den er überhaupt in den Kulturkampf geraten" sei, die da-malige katholische Abteilung im Kultus-Ministerium bezeichnet, welche nach seiner unmittel-baren Erfahrung „rein den Charakter eines polemisierenden Organs innerhalb der preußischenBerwaltnng" gehabt habe und „unter der Leitung des Herrn Krätzig ein Institut in den Händeneiniger großen polnischen Familien geworden war, in deren Dienst diese Behörde behufsPolonisierung in allen zweifelhaften deutsch-polnischen Distrikten sich gestellt hatte." Am 12. April1886 erklärte Fürst Bismarck im Herrenhause geradezu: „Durch die Polen-Vorlage wird dereigentliche Zweck der Maigesetze hoffentlich erreicht."