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Die XI. preußische Legislatur-Periode
daß die Staatsregierung die altkatholische Bewegung begünstige. Weiter sodannwies ich auf die Beseitigung der „katholischen Abteilung" im Kultus-Ministeriumhin, als auf eine für die kirchlichen, die religiösen Interessen der Katholikenbesonders bedrohliche Maßnahme. Darauf entgegnete der Fürst, die katholischeAbteilung habe stets das Staatsinteresse gänzlich außer acht gelassen, deren ChefKrätzig unter einer Decke mit den Polen gelegen, hinter welchen man stets mitgefälltem Bajonnett stehen müsse; „an den Beinen sollte man ihn aufhängen",lautete der vom Fürsten gebrauchte Kraftausdruck. Ich meinerseits nahm denGeheimrat Krätzig auf Grund meiner Bekanntschaft mit ihm in Schutz; seinWirken, namentlich auch für die im Kriege zu Schaden Gekommenen, werde aller-höchsten Orts anerkannt, sein Verkehr mit der Familie Radziwill könne dochunmöglich seine Loyalität als zweifelhaft, als dem Polentnm gewissermaßen affiliicrterscheinen lassen. Dem Vorgang mit dem Bischof Namczanowski sich znwendend,bemerkte der Fürst, in Bezug auf das Heer sei sorgsam darüber zu wachen, daßjedem undeutschen Einfluß begegnet werde. Sollte es etwa zu einem Kriegekommen, so erfordere das Interesse Deutschlands, es mit Italien zu halten, dessenRegierung, wie unsre deutsche, mit dem Papst gespannt sei. Im Beichtstuhlkönnten da leicht unsre Soldaten beeinflußt werden; unsre Bischöfe erschienenihm wenig zuverlässig; so habe zum Beispiel der Mainzer mit dem Polen Kozmiankorrespondiert; nur auf das kirchliche Interesse seien dieselben bedacht. JedenGlauben respektiere er, selbst einen Glauben an den — vor ihm stehenden —roten Stuhl, wenngleich er als Individuum seinem Gott gegenüberstehe; wie aberdie Dinge sich nun einmal gestaltet hätten, dürfe er schlechterdings nicht dulden,daß eine feindliche, die Gestaltung Deutschlands bedrohende Macht sich organisiere.Die Organisation der deutschen Katholiken sei bewundernswert,wie sich dies bei den Wahlen gezeigt habest. Dagegen müsse er rüsten.Meine Zugehörigkeit zum Centrum betreffend, meinte er, Windthorst werde das-selbe führen, wohin mein Bruder und ich nicht wollten. Derselbe sei ein besondersfeiner Kopf; durch und durch Welfe, halte er jetzt nur die katholische Maske vor.Hiergegen nahm ich Windthorst auf das entschiedenste in Schutz. Seit einer langenReihe von Jahren habe ich zu ihm schon in Beziehung gestanden und ihn stets
st Einer Mitteilung des Abgeordneten I)r. August Reichensperger zufolge gab den Anlaßzu dieser Expektoration Bismarck's eine unmittelbar vorher im Wahlkreise Rees-Moers statt-gehabte Nachwahl. Die im Jahre 1871 mit schwacher Mehrheit erfolgte Wahl des Centrnms-abgeordnetcn Freiherrn Otto von Los gab bekanntlich der gegnerischen Parteileitung zu einemWahlproteste Anlaß und Professor vr. Gneist als Referent der Wahlprüfnngs-Kommission bewies, daß derselbe begründet war. So kam es im April 1872 zur Neuwahl, beiwelcher Fürst Bismarck zu Gunsten seines späteren Geheimschreibers, damaligen Professorsvr. Aegidi seinen Einfluß in so verstärktem Maße geltend zu machen wußte, daß es ihmschier unfaßbar mar, wie trotzdem der Mann des Centrums mit erhöhter Stimmenznhl sichbehaupten konnte. Bor dieser Zeit standen hier zu Lande die Katholiken derartigen Wahlenmit so sträflicher Gleichgültigkeit gegenüber, daß in Dutzenden von Gemeinden sich kaum 10 Proz.an dem Wahlakte beteiligten und beispielsweise 1867 der erste offizielle katholische Kandidat1)r. Krebs (Köln) es noch nicht auf 2000 Stimmen brachte.