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2 (1895) 1847 - 1879
Entstehung
Seite
179
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1870-1873

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Nach den bekannten politischen Vorgängen kam es schließlich znr Annahmeder Gesetze in einer Form, welche dem Grafen Eulenburg als annehmbarerKompromiß erschien.

Auch über dieses Stadium der Verhandlungen liegt eine bisher unveröffent-lichte Aufzeichnung des Professors vr. Gneist vor, welche die Teilnahme Bis-marck's an dem Gesammtwerke ersehen läßt. Dieselbe ist am Schluffe dieses Ab-schnittes abgedruckt.

Hatte schon die liberale Kreisordnung die Kreuzzeitungsmänner lebhaft gegenBismarck aufgebracht, so erwuchs denselben eine neue Pein durch das am 14. De-zember 1871 dem Landtag vorgelegte Schulaufsichtsgesetz.Es ist ein un-dankbares Geschäft so schrieb das Junkerblatt am Jahresschluß heute nochkonservativ zu sein. Bismarck schwimmt mit dem breiten Strom des Liberalis-mus und kämpft gegen die, mit denen er nach Gottes Ordnung zusammenstehenmüßte." Dieser Stoßseufzer klang deutlich genug zugleich als Absage und Kriegs-rnf gegen den Reichskanzler.

Ans Anlaß des Schulaussichtgesetzes lief bei Bismarck eine große Zahl vonAdressen ein, die ihn hinwiederum seinerseits zu einer lebhaften agitatorischenKorrespondenz veranlaßten ft.

Am 9. März 1872 richtete derselbe an den Reichstagsabgeordneten undPräsidenten der badischen zweiten Kammer Kirsner in Karlsruhe das nachstehendeSchreiben:

Obwohl ich es mir seit einiger Zeit habe versagen müssen, die mir mitBezug aus das Schulaufsichtsgesetz zugehenden Adressen wesentlich gleichenInhalts einzeln zu beantworten, kann ich es nicht unterlassen, Ew. Hochwohl-geboren und den der badischen Landesvertretung und znm Theil gleichzeitig demDeutschen Reichstage angehörenden Herren Mitunterzeichnern der Adresse vom6. dieses Monats ft besonders meinen herzlichsten Dank anszusprechen. Icherkenne in Ihrer Kundgebung eine Fortsetzung der nationalen Politik, welchein Baden unter der Leitung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogsvon lange her gepflegt worden und der von hier ans geförderten nationalenEntwickelung seit Jahren so lebendig entgegengekommen ist. Ew. Hochwohl-

1) 23. Februar 1872. Der Abgeordnete Graf Bethusy-Huc bei dem Fürsten Bismarck behufsÜberreichung der aus Oberschlesien Angegangenen Znstimmnngs- und Dankadressen.

2) Die Adresse schloß mit den Worten: Ew. Durchlaucht steht das Vertrauen, die Dank-barkeit, die Vaterlandsliebe und die Geistesbildung des deutschen Volkes in diesem neuenStreite um die Unabhängigkeit des Reiches znr Seite. Die unermeßliche Kraft dieser edlenHilfsmittel, welche die Nation ihren: Führer in solchem Kampfe um die höchsten Güter desRechtsstandcs und der Gesittung unsrer Zeit verleiht, wirb Ew. Durchlaucht aufs Nene dieEhren unvergänglicher Siege gewähren. Möge die Vorsehung, welche schützend über der Be-gründung des neuen Reiches gewaltet hat, dem deutschen Staatsmanne fernerhin Kraft undGesundheit verleihen! Die weise, mit sicherer Hand vollzogene Lösung der neugestellten Aufgabewird Ew. Durchlaucht den Dank und den Segen der Zeitgenossen und der kommenden Ge-schlechter erwerben.

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