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1 (1897)
Entstehung
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Unbewusstsein des Kindes heraus sich Entwickelndes, und ein guterGeschmack nur als eine besonders glückliche Mitgabe angesehenwird. In der That aber wird der Geschmack überall erst durchdie Erziehung fertig und kann bei gleicher angeborener AnlagenachVerschiedenheit der erziehenden Einflüsse nochinGüte, Höhe,Feinheit, Richtung sehr verschieden auslallen.

Die Erziehungsmittel des Geschmackes sind schwer untereinen allgemeinen Gesichlspunct zu bringen, können aber, wie diedes Menschen überhaupt, etwa unter folgenden Kategorieen be-trachtet werden, die sich zwar nicht überall, doch bis zu gewissenGränzen, auseinanderhalten lassen.

1) Uebertragung von Andern.

2) Eigene Ueberlegung.

3) Gewöhnung und Abstumpfung.

4) Uebung.

5) Association.

Beschränken wir uns in Betracht derselben auf Hauptge-sichtspuncte, indess die Psychologie tiefer, die Erziehungslehre,Culturgeschichte, Ethnologie weiter darein einzugehen haben, alshier geschehen wird.

Erstens. Thatsache ist, dass das ausgesprochene Gefallenoder Missfallen Andrer unser eigenes Gefallen und Missfallen mitzu bestimmen oder selbst von vorn herein zu bestimmen vermag,um so leichter, je weniger wir schon von anderer Seite her be-stimmt sind, und je bestimmendere Kraft dem Andern auf unsbeiwohnt. So geht der Geschmack von den Aeltern auf die Kinderüber, so lange bis deren eigenes Urtheil erstarkt, so steht der Ge-schmack in Kunstschulen unter dem Einflüsse der Lehrer und Ge-nossen; und wenn ein Geschmack in gewisser Beziehung eineganze Zeit, ein ganzes Volk beherrscht, so wird die Uebertragungmit der Gewöhnung immer den hauptsächlichsten Antheil daranhaben.

Die Uebertragung kann theils dadurch zu Stande kommen,dass Gründe des Gefallens oder Missfallens von Andern geltendgemacht werden, welche nur der Hervorhebung bedürfen, umihren Erfolg zu haben, kurz durch Belehrung; theils dadurch, dassdas Gefallen oder Missfallen Andrer durch seine Aeusserung selbstsich in uns überpflanzt, indem es eine Art geistige Ansteckung be-wirkt, welcher die passive oder noch indifferente Natur am leich-