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weiss, dass ihm Raphael, Michel Angelo, Tizian, Albrecht Dürer,die niederländischen Genrebilder gefallen müssen, von heutigenMalern über Alles Cornelius; weiss man aber erst, was gefallensoll, und dazu sind die Kenner da, es uns zu sagen, so fängt esauch alsbald an, uns wirklich zu gefallen, denn der meiste Ge-schmack ist wie der meiste Glaube ein eingepflanzter, octroyirter;wir kommen darauf unten. Und so sind die meisten Geschmacks-urtheile in Kunstsachen nur Nachurtheile nach den Urtheilen, oftVorurtheilen, weniger Kenner, von welchen grössere oder kleinereGesellschaftskreise beherrscht werden. Aber in Bezug auf Bildervon neuen oder unbekannten Meistern fehlt der Anhalt des Namensund leider hat man, wenn man rathlos vor dem neuen Bilde steht,nicht immer gerade einen Kenner vor sich oder hinter sich, dessenUrtheil man belauschen könnte. Auch das Urtheil der Kenner aberwird unsicher, wenn der Name unsicher wird. Wurde doch nochneuerlich an einem berühmten Bilde das Beispiel erlebt, dass, alssein Meister aus einem bekannten zu einem unbekannten wurde,der früher einstimmige Geschmack aller Kenner daran ganz in Ver-wirrung gerieth, und manche von da an sich ganz von der Bewun-derung des Bildes lossagten.
Woher nun, kann man fragen, diese grosse Verschiedenheitdes Geschmackes einerseits und Unentschiedenheit anderseits, diesich in das Feld des Geschmackes theilen? Das Schöne soll docheine absolute Geltung haben, warum macht es sie nicht geltend?es soll einen Zauber auf die Menschen üben; warum versagt so oftdieser Zauber? Und was entscheidet endlich den Streit des Ge-schmackes und hebt die Unsicherheit? Ist denn jeder Geschmackgleichwerthig, und giebt es überhaupt keine massgebenden Ge-sichtspuncte, einen besseren von einem schlechteren zu unter-scheiden? Das scheint man in der That damit sagen zu wollen,wenn man sagt: über den Geschmack lässt sich nicht streiten;man will damit sagen: der Streit lässt sich nicht entscheiden.
Was nun die Erklärung der Geschmacksverschiedenheiten an-langt, so kann man sich dabei auf einen verschieden hohen Stand-punct stellen. Um den höchstmöglichen einzunehmen, kann mansagen: Die ganze Entwickelung des menschlichen Geistes stehtunter dem Einflüsse einer Idee, und zwar in höchster und letzterInstanz der göttlichen oder absoluten Idee, und alle Verschieden-heiten des Geschmacks sind blos sich ergänzende und fodernde,