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1 (1897)
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niss zur Natur, raffinirte noch nicht so in den Modulationen desästhetischen Naturgenusses, machte noch keine Reisen in schöneGegenden blos um der Schönheit der Gegend willen. Der ästhe-tische Gesammteindruck der Landschaft stand, ohne rein sinnlichzu sein, dem sinnlichen unstreitig näher als bei uns, indess mancheEinzelnheiten der Natur, als namentlich Haine, Quellen, Flüsse,durch ihre mythologische Beziehung auch eine höhere ästhetischeBedeutung für die Alten gewonnen haben mochten als für uns.

Ganz besonders merkwürdig aber ist der Unterschied in derästhetischen Auffassung erhabener und wild romantischer Gegen-den zwischen dem Alterthum und der Jetztzeit. Für solche Gegen-den, darf man sagen, ging dem Alterthum der Geschmack gänz-lich ab; und wenn man jetzt scherzhaft von manchen Hunderacensagt, sie seien um so schöner, je hässlicher sie sind, so würdendie Alten ernsthaft von unserm Geschmack an derartigen Gegen-den gesagt haben, sie dünken uns um so schöner, je hässlichersie sind. Gegenden wie das Berner Oberland, das Chamounithal,die höhern Alpen überhaupt, gelten uns jetzt als Quell der erha-bensten Beiseeindrücke, ziehen jährlich eine Unzahl Reisender an,und wohl nirgends hört man eine solche Verschwendung über-schwänglicher Ausrufungen in allen Spracliidiomen als da, wobeider Berliner und Leipziger sich nur deshalb scheel ansehen, weilkeiner den Dialekt des Andern erhaben genug für die Erhabenheitder Scene findet, und jeder die erhabene Einsamkeit allein ge-messen möchte. Das konnte man nun früher leicht haben, dennfrüher wurden solche Gegenden von allen Reisenden geflohen, dienicht genöthigt waren, ihren Weg hindurch zunehmen, und Hessenselbst in der Erinnerung nur den Eindruck eines Schreckbildeszurück. Und merkwürdigerweise stimmte in dieser Hinsicht derGeschmack der alten Griechen und Römer mit dem Geschmackunsrer Zopf- und Perückenzeitvollkommen zusammen, worüberes belehrend ist, die Ausführungen von Friedländer im zweitenTheile seiner Darstellungen aus der Sittensgeschichte Borns nach-zulesen. Er führt Stellen aus älteren Reisebeschreibungen an,worin die Salzburger und Tyroler Alpen, die Schottischen Hoch-lande als aller Zier und Schönheit baare, mit den Märkischen Sand-wüsten und der Lüneburger Haide unter dieselbe Kategorie und indemselben Satze zusammengestellt und den lieblichen lachendenGegenden, an denen man sich allein zu erfreuen vermochte,