Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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Gebälks einen verschiedenen Eindruck machen soll. Die Ver-dickung der Säule nach unten, die Schwellung gegen die Mitte,die Neigung der Säulen gegen einander, obwohl in der That imSinne des Zweckes, sind doch nicht so dringend dadurch gefodert,dass nicht die Leistung derselben, die Säule und das Ganze derSäulenstellung minder monoton und steif, oder, wie man sichausdrückt, lebendiger erscheinen zu lassen, noch wichtiger er-schiene. Man könnte sogar meinen, es sei damit wirklich blosauf diese Belebung abgesehen. Aber eine Verdickung und Schwel-lung der Säule oben statt unten, ein Zusammenneigen der Säulenunten statt oben würde der Monotonie, der Steifheit ganz eben sowehren, als die wirklich eingehaltenen Verhältnisse, und würdedoch abscheulich, geradezu unerträglich aussehen. Also unter-stützen sich beide Momente der Wohlgefälligkeit, für sich alleinwenig wirksam, im widerspruchslosen Zusammentreffen nach demso oft von uns in Anwendung gezogenen Princip der ästhetischenHülfe zu einer erheblichen Leistung.

Und so soll auch den Verzierungen, der Symmetrie, demgoldenen Schnitt und was man sonst meint von an sich schönenVerhältnissen in der Baukunst finden zu können, ihr Beitrag zurSchönheit des Ganzen, ja die Erfüllung des Ganzen zur Schönheit,nicht dadurch bestritten und verkümmert sein, dass die Zweck-mässigkeit das Fundament der architektonischen Schönheit bleibt,ohne dessen Dasein diese Hülfen nichts helfen und durch dessenVerletzung sie nur schaden. Ja man kann es gelten lassen, dassvon der Zweckmässigkeit zu Gunsten andrer Bedingungen derSchönheit nachgelassen wird, wo die Zweckmässigkeit nur so ent-fernt oder in so untergeordneter Beziehung in Rücksicht kommt,dass der Nachtheil durch Verletzung derselben über den Vortheildurch Erfüllung der andern Bedingungen nicht merklich gespürtwird. An sich liegt es im Sinne der äussern Zweckmässigkeit,dass nicht mehr Arbeit, Fleiss, Kosten auf das Bauwerk gewendetwird, als der äussere Zweck desselben ebenfodert. Aber in Aus-arbeitung des Kapitells, des Fusses, der Cannelirung der Säulenwird mehr darauf gewandt. Nun aber widersprechen siedoch nicht direct dem äussern Zweck des Bauwerks, sondernkommen nur bei Rücksichtsnahme auf die Weise, wie es gebautwird, in entfernte Zweckrücksicht, und es besteht sogar die Fode-rung, dass auch über den äussern Zweck hinaus etwas zur Hebung