Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
Seite
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grünen Wand auch wohl ebenso das Leben und Weben des Men-schen mit seinen Leiden und Freuden in einer einsamen Wald-natur auf einmal vergegenwärtigen, wie das rothe Dach im Walde ?

Als ich freilich dieses Bespieles gegen jemand gedachte, der,in der Schule der neueren Aesthetik erzogen, die Einführung derneuen Gottheit in sie, wofür er das Associationsprincip hielt, nichtdulden wollte, musste ich folgenden Einwurf ganz in Kants Sinnehören:

All das, sagte er, was die Erinnerung zum Eindrücke desrothen Daches und grünen Waldes hinzubrachte, was sich vonNebenvorstellungen anknüpfte, gehört gar nicht zum Wesen desästhetischen, des wahrhaft landschaftlichen Eindruckes, und wäreerst abzusondern, um ihn rein zu haben. Denn der reine land-schaftliche Eindruck, um dessen Hervorrufung es insbesonderedem Künstler zu thun ist, ruht doch nur in den eigenen so zusagen musikalischen Verhältnissen der Form und Farbe, die durchdas Auge direkt in uns eingehen, und womit wir das wirklichSichtbare, wie das Dach zum Hause, die grüne Wald fläche zumWalde in der Vorstellung ergänzen. Nur was Haus und Waldnach ihrem eigenen sichtbaren Wesen sind und wie sie damit indie übrigen Verhältnisse der Sichtbarkeit eingreifen, kommt fürihren landschaftlichen Eindruck in Betracht.

Aber diesem Einwurfe liegt die Täuschung zu Grunde, dassHaus und Wald ihrem ganzen eigenen sichtbaren Wesen nach er-heblich mehr als bedeutungslose und bedeutungslos in die Ver-hältnisse der Sichtbarkeit eingreifende, mit Farben ausgefüllteLineamente sind\ Erst die Brauchbarkeit des Hauses zum Woh-nen, erst das Vermögen des Baumes zum Wachsen, und was anBeidem hängt, bringt Inhalt, Leben, Tiefe in den Eindruck dessen,was wir davon sehen. Ja wie kann von einem romantischen, idylli-schen, historischen Charakter der Landschaft überhaupt noch dieRede sein, wenn nicht das, was die Verhältnisse der Sichtbarkeitfür das ganze Leben des Menschen bedeuten, ihnen erst die höheremalerische Bedeutung über den immerhin anzuerkennenden gegen-sätzlichen, harmonischen und rhythmischen Verhältnissen derFarben und Formen verliehe. So weit diese in Betracht kommen,gewinnen sie selbst erst durch Aufnahme in jene höheren Be-ziehungen höhere landschaftliche Bedeutung, und sind dann frei-lich nach dem Hülfsprincipe als Träger des Höheren auch mit

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