Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
Seite
127
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langen Reisen durch schöne Gegenden abgestumpft findet. Diesshindert nicht, dass der, der gewohnt ist in einer schönen Gegendzu leben, um so weniger mit einer schlechten vorlieb nehmen mag.

Was hier das neu hinzutretende Element der Vergrösserung überdas gewohnte Mass thut, kann in andern Fällen ein andres neuesElement oder eine andre Combinationsweise derselben Elementethun. Hätte aber der Mensch noch nichts in sich von seinem frühe-ren Leben her, was er beim Anblick einer neuen Landschaft deh-nen oder in andrer Combination verwerthen könnte, so würdejede Landschaft ihm nicht mehr gewähren können, als ein grosser,mit Farben unregelmässig gemalter Teppich, den man vor ihmausbreitet.

Zwar etwas kann der Teppich nicht gewähren, was aber auchkeine gemalte, sondern eben nur eine wirkliche Landschaft ge-währen kann. Vielleicht fiel es auf, wenn ich unter den Umstän-den, welche beim directen Eindruck der Landschaft in Rücksichtkommen, das Gefühl des ins Weite gerichteten Rlickes erwähnens-werth hielt. In der That aber liegt, gegenüber der Anstrengungdes Auges beim Nahesehen, in der Weite des Blickes eine Artsinnlicher Erholung oder Erquickung des Auges, die sich, unter-stützt durch den sanften Eindruck der Farbe, am stärksten beimBlick in einen klaren Himmel hinein geltend macht, doch auch beiirdischer Fernsicht nicht fehlt, übrigens für schwache, leicht an-gestrengte, Augen wie das meinige erheblicher sein mag, als fürkräftige. So wenig sie nun für sich in ästhetischer Hinsicht be-deuten mag, kommt sie doch nach dem ästhetischen Hülfsprincipeder Totalwirkung der wirklichen Landschaft gegenüber dem Tep-pich, wie der gemalten Landschaft, die so zu sagen ein Bret vorunserm Kopfe ist, gewiss mehr zu Statten, als man nach der Wir-kung für sich schliessen möchte. Wollen wir doch überhauptnicht Alles auf Association schreiben. Es schlägt aber auch diedirecte Wirkung hiebei ganz unmittelbar in eine associative aus,indem sich mit der Weite des Blickes in die Landschaft die Vor-stellung der Grösse der darin enthaltenen fernen Gegenstände as-sociirt, woran viel hängt. Nur auf einem grossen See kann manwirklich schiffen; nur ein grosser Berg erforderte viel tellurischeKraft gehoben zu werden, und erfordert viel menschliche Kraft be-stiegen zu werden. Bei der kleinen gemalten Landschaft können ^sich solche Associationen nur abgeschwächt geltend machen; sie