Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
Seite
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An sich kann einheitliche Verknüpfung nicht ohne Mannich-faltigkeit bestehen, denn ohne solche hätten wir einfache Identität.Bei einer kurz dauernden Beschäftigung aber reicht schon einesehr geringe Mannichfaltigkeit hin, den Geist Genüge und selbstpositives Gefallen finden zu lassen, wenn es an der Einheit darinnicht fehlt; wogegen uns eine Mannichfaltigkeit, die keinen Ein-heitsbezug geltend macht*), nicht nur widersteht, je länger siesich uns aufdringt, sondern so ziemlich von vorn herein. Undwenn wir, getrieben vom Bedürfnisse des Wechsels, zur Beschäf-tigung mit etwas Neuem übergehen, werden wir doch nicht zueiner zersplitterten Mannichfaltigkeit, sondern nur zu etwas An-derm, was wieder einheitlich verknüpft ist, übergehen wollen.Insofern scheint auf den Gesichtspunct der Einheit grösseres Ge-wicht als auf den der Mannichfaltigkeit zu legen; doch dürfte mannicht sagen, dass das Gefallen wesentlich an einem Ueberge-wicht der Einheit über die Mannichfaltigkeit, d. i. wo das Gleichedas Ungleiche überwiegt, hänge, um nicht ein weisses Papier,einen rein ausgehaltenen Ton für das Schönste der Welt zu halten.Bei jedem grösseren Ganzen, was uns in einer gewissen Dauerbeschäftigen soll, werden wir vielmehr viel Ungleichheit verlangen,die nur irgendwie einheitlich vermittelt und gebunden sein muss,um uns dadurch gefesselt zu finden.

Zeitliche und räumliche Mannichfaltigkeit treten insofernunter denselben Gesichtspunct, als die räumliche Mannichfaltig-keit, w'enn schon bis zu gewissen Gränzen zugleich auffassbar,doch, um deutlich erfasst zu werden, nach einander mit der Auf-merksamkeit verfolgt werden muss, in der zeitlichen Mannichfal-tigkeit aber das Fortwirken der frühem Eindrücke in die spätemhinein eine gewisse Gleichzeitigkeit derselben bedingt.

Sie treten hingegen unter verschiedene Gesichtspuncte da-durch, dass bei der räumlichen Mannichfaltigkeit die Richtung desVerfolges mehr oder weniger willkührlich, bei der zeitlichen, in-sofern sie nicht zugleich eine räumliche ist, durch die gegebeneFolge derselben selbst vorgeschrieben ist.

Wenn die Glieder einer solchen Mannichfaltigkeit uns jedes für sichannehmlich sind, so entsteht hiedurch ein Conflict mit der Unannehmlichkeit,die von dem mangelnden Einheitsbezuge dazwischen abhängt. Von Conflic-ten aber wird spater die Rede sein, zunächst ist hier davon abzusehen.