Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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einzugehen sich Anlass genug bieten wird. Auch in diesem enge-ren Sinne aber wird der Ausdruck schön um so lieber von einemGegenstände gebraucht, je voller und reiner sein Lusteindruckist, und werden Schattirungen desselben durch besondre ästhe-tische Kategorieen gedeckt, in deren Erörterung die Lehrbücherder Aesthetik eine ihrer Hauptaufgaben zu suchen pflegen. Wennaber Manche den Ausdruck schön im engeren Sinne blos aufKunstwerke (als Schöpfungen des Geistes) angewandt wissenwollen, so ist diess eine willkürliche Beschränkung, welche derallgemeine gebildete Sprachgebrauch nicht theilt, und wogegendie Schönheit eines lebendigen Menschen wie einer Landschaft sichfüglich wehren darf. Das hindert nicht, Unterschiede zwischenNaturschönem und Kunstschönem anzuerkennen; aber dazu hatman eben beide Worte, um beides zu unterscheiden. Gewissist nur, dass der Begriff der Schönheit im engeren Sinne sichöfter durch das Kunstschöne als Naturschöne erfüllt findet, wasnäher zu betrachten andershin gehört.

Jedoch man hat noch von einem Begriff des Schönen in einemengsten Sinne zu sprechen. Mit den vorigen Bestimmungenkommen wir nicht über die Subjectivilät des Schönen heraus;der Eine kann danach noch schön finden, was der Andere vondessen Gebiete ausschliesst. Nun aber soll nicht Alles gefallen,was gefällt, es giebt nicht blos Gesetze, nach denen sich Gefallenund Missfallen thatsächlich richten, von denen künftig zu redensein wird, sondern auch Forderungsgesetze des Gefallensund Missfallens, darauf bezügliche Regeln des guten Geschmackes,und davon abhängige Regeln der Erziehung des Geschmackes, diemit erstem Gesetzen nicht in Widerspruch stehen, vielmehr solchenur in rechter Richtung zu verwerthen haben.\ Zur Begriffsbe-stimmung des Schönen in einem engsten Sinne, des wahrhaftSchönen, des ächten Schönen, was nicht blos aus höhermGesichtspuncte gefällt, sondern auch Recht hat zu gefallen, hatman auch den Werth der Lust, die in das Gefallen mit eingeht,zuzuziehen, wonach der Begriff des ächten Schönen einer wesent-lichen Mitbestimmung durch den Begriff des Guten unterliegt,wovon der des Werthes in später zu betrachtender Weiseabhängt. Kurz wird man sagen können: im Begriffe desSchönen im engsten Sinne kreuzen sich die Allgemeinbegriffe desSchönen und Guten, indess sie sonst über einander hinausgreifen.