Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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Lust und Unlust verrätb sich zwar schon von vorn herein dadurch,dass beide einen entsprechendem Gegensatz des Positiven undNegativen darbieten, als der Lust und Unlust selbst zukommt; sieklärt sich aber vollends durch obige Bestimmungen. Also habenwir wohl Grund, dieser Begriffsbestimmung aus allgemeinstemGesichtspunete zu vertrauen.

Unstreitig lassen sich die praktischen Kategorieen, statt durch Beziehungauf Lust und Unlust, auch durch Beziehung auf unsre bewussten Antriebeund Gegenantriebe, oder, was auch vorkommt, doch auf dasselbe heraus-kommt, durch Bezug auf einen, über die Tragweite des gewöhnlichen Sprach-gebrauches ausgedehnten, Begriff der Liebe erklären, als Angestrebtes undAnstrebenswerthes, Liebe weckendes und Liebe verdienendes fassen. Nachder psychologischen Grundbeziehung zwischen Lust und Unlust einerseits,bewussten Antrieben und Gegenantrieben andrerseits, worüber unter 4) nocheinige Worte, treten aber beide Erklärungen sachlich in einander hinein, undwerden immer eine Uebersetzung in einander gestatten, wonach man untrif-tigerweise durch die eine die andre ausgeschlossen hält. Unsrerseits in dergrundlegenden Erklärung die Beziehung der praktischen Kategorieen auf Lustund Unlust vor der Beziehung auf Streben und Gegenstreben zu bevorzugen,lag aber ein doppelter Grund vor. Einmal galt es, die Beziehung dieser Ka-tegorieen zu den ästhetischen Kategorieen unmittelbar klar herauszustellen,was nur durch einen gemeinsamen Mittelbegriff geschehen konnte, also nurdurch Lust und Unlust, sofern diese schon den Kern der ästhetischen Kate-gorieen bildeten. Zweitens aber scheint mir, dass das allgemeine Sprach-und Begeiffsbewusstsein in der That die praktischen Kategorieen in di re c-terer Beziehung zu Lust und Unlust, als zu Streben und Gegenstreben fasst.Denn man findet etwas nicht vortheilhaft, gut, sofern man danach strebt oderstreben soll, sondern man strebt danach oder soll danach streben, weil manes vortheilhaft, gut findet; damit das aber nicht auf einen identischen Satzhinauslaufe, muss man vortheilhaft, gut durch einen andern Begriff als Stre-ben bestimmt denken; und es ist nur Sache einer klaren Analyse, den Lust-begriff in unsertn Sinne darin zu erkennen. Wenn ich daher mit Obigem zu-gegeben habe, dass sich die praktischen Kategorieen eben sowohl nach ihrerBeziehung zu Streben und Gegenstreben als zu Lust und Unlust erklärenlassen, so gilt diess doch nur, so lange als man diese Kategorieen für sich be-trachtet; nicht aber kann ich zugeben, dass ein Begriffssystem, was man mitHülfe der ersten Erklärungsweise construirt, dem allgemeinen Verständnissgleich leicht zugänglich und gleich frei von versteckten oder offenen Cirkel-erklärungen herzustellen ist, als das, was auf der letzteren Erklärungs-weise fusst.

Unter den ästhetischen Kategorieen tritt der Begriff schön,unter den praktischen der Begriff g ut je nach weiterer oder enge-rer Fassung entweder als der allgemeinste, d. i. die andernmit unter sich fassende, oder als der oberste, d. i. in einer be-