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1 (1897)
Entstehung
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klärungen der Aesthetik nicht mit einer Erklärung durch Gesetzeerfüllt haben, bleiben sie ein hohler Rahmen.

Auch in der Weise der Begriffsbestimmungen selbst aberunterscheidet sich der Weg von Oben von dem hier einzuschlagen-den Wege von Unten. In letzterem Wege kommt die begrifflicheBestimmung blos darauf zurück, den Sprachgebrauch festzu-stellen, und, wo er schwankt, sich über Wahl und Weite desselbenzu erklären, so dass man wisse, um was es sich bei der sachlichenUntersuchung handelt, ohne aber in der Begriffsbestimmung dasResultat solcher Untersuchung vorwegzunehmen oder in Wesens-bestimmungen vorweg einzugehen, womit es leicht ist, Klarheitund Allgemeinverständlichkeit zu erzielen; indess der Weg vonOben die Wesensfrage gleich aus dem Bgriffe und im Begriffe zubeantworten sucht, hiemit aber die Schwierigkeit einer klarenFeststellung der obersten Begriffe auf alle abgeleiteten Begriffeüberträgt.

Unter den Deutschen hat die Bearbeitung der Aesthetik imWege von Oben in Abhängigkeit von Kant, Schelling, Hegel weitdas Uebergewicht über die Bearbeitung von Unten erhalten undbis jetzt noch behalten. Mit den Einflüssen jener Philosophen aberfangen neuerdings mehr und mehr solche von Herbart, Schopen-hauer, Hartmann an sich zu mischen; andrerseits aber doch auchdie Aesthetik, sei es noch unter philosophischem Einflüsse oder inmehr selbstständiger Richtung und Entwickelung auf den Wegvon Unten mit einzulenken (Hartsen, Kirchmann, Köstlin, Lotze,Oersted, Zimmermann); und ist diess schon theils nicht in so reinerDurchführung, als ich bei voriger Charakteristik im Auge hatte,theils nur in beschränkter Ausführung geschehen, so kann mandoch nicht mehr sagen, dass dieser Weg bei uns überhaupt ver-lassen sei. Dazu kommen dann noch schätzbare empirische Unter-suchungen der Neuzeit in ästhetischen Specialgebieten als vonBrücke, Helmholtz, Oettingen u. a. *); endlich kunstkritische Be-trachtungen in Fülle, die sich mehr oder weniger nach einer oderder andern Seite neigen, auf was Alles jedoch ausführlicher ein-

*) Zeising, obwohl in der Hauptsache der Richtung von Oben huldigend,kann dabei insofern nicht vergessen werden, als er die philosophische Begrün-dung des goldnen Schnitts durch eine empirische zu ergänzen und zu unter-stützen gesucht hat.