Druckschrift 
3 (1864)
Entstehung
Seite
276
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Don Pepe war ein brauchbarer, anstelliger, verständiger Mann,mit dessen Dienst ich allen Grund hatte zufrieden zu sein. Nursuchte er mich, für dessen Sicherheit er verantwortlich war, so wieman ein Kind führt, mit angedrohten Krokodilen und Schlangenauf dem graben Pfade und unter seinen Augen zu erhalten; ich hatteihn aber bald durchschaut. Ich habe nicht leicht in meinein Lebenein ängstlicheres Geschrei vernommen als dasjenige, womit er mireinst zurief, vor meine Füße zu sehen; über den Steg schlich einekleine Schlange, die ich tödtete und die, wie es sich erwies, ein ganzunschuldiges Thier war. Auf gleiche Weise warnte er mich einmalvor einem Baume, deu ich mit erregter Neugierde sogleich untersuchte;es war eine Brennnessel, die ich versuchte und nicht gefährlicher fandals unsere gewöhnliche.

In allen Ortschaften kamen, wie ich es schon gewohnt war, dieMenschen zu dem russischen Doktor, ihm ihre Leiden zu klagen undHülfe bei ihm nachzusuchen. Ich mußte den Unterschied zwischenOoctor Naturalist» und taoultutivo aufstellen, und sie mußten sichdabei beruhigen. Das lasse sich, wer Reiselust verspürt, gesagt sein:Der Name und Ruf eines Arztes wird ihm, so weit die Erde be-wohnt ist, der sicherste Paß und Geleitsbrief sein und wird ihm,sollte er dessen bedürfen, den zuverlässigsten und reichlichsten Erwerbsichern. Ueberall glaubt der gebrechliche Mensch, der sich selberhülflos fühlt, an fremde Hülfe und setzt seine Hoffnung in den, derihm Hülfe verspricht. Am begierigsten langt der Hülfsbedürftigcnach dem Fernsten, dem Unbekanntesten, und der Fremde erweckt inihm das Vertrauen, welches er zu dem Nächsten verloren hat. Inder Familie des gelehrten Arztes gilt mehr, als seine Kunst, derRath, den die alte Waschfrau heimlich ertheilt.

Es ist die Medizin für den, der ihrer bedarf, eine heimliche,fast zauberische Kunst. Auf dem Glauben beruht immer ein guterTheil ihrer Kraft. Zauberei und Magie, die tausendgestaltig, tau-sendnamig, ausgebreitet und alt sind, wie das Menschengeschlecht,waren die erste Heilkunst und werden wohl auch die letzte sein. Sieverjüngen sich unablässig unter neuen Namen und zeitgemäßen For-men, für uns unter wissenschaftlichen, und heißen: Mesmerianis-