Druckschrift 
3 (1864)
Entstehung
Seite
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deS großen Oceans wieder gesehen habe: das von chinesischer Handzierlich auf Glas gemalte Portrait von Madame Recamier, derliebenswürdigen Freundin der Frau von Stael, bei der ich langeZeit ihres vertrauten Umgangs mich erfreute. Wie ich hier diesesBild betrachtete, schien mir unsere ganze Reise eine lustige Anekdotezu sei», nur manchmal langweilig erzählt, und weiter nichts.

Am 11. Juli war das Kirchenfest von St. Peter und Paul.Wir steuerten zu einer Kollekte bei, die für den Bau einer Kirchegesammelt wurde. Der erste Beamte der russisch-amerikanischenCompagnie bewirthete uns an diesem Tage.

Am 12. ward das Fest von Gleb Simonowitsch bei uns ge-feiert und besonders von den Matrosen mit ausgelassener Freudigkeitbegangen, denn Gleb Simonowitsch war allgemein geliebt. DiesesFest giebt mir Veranlassung, über eine russische Sitte zu berichten,die bei der strengen Mannszucht und der unbedingten Unterwürfig-keit des Untergebenen gegen seinen Vorgesetzten seltsam erscheinendürfte. Aber mir scheint der gemeine Russe sich gegen seinen Herrn,gleichviel ob Kapital», Herr oder Kaiser, in ein mehr kindliches alsblos knechtisches Verhältniß zu stellen; und unterwirft er sich derRuthe, so behauptet er auch seine Kindesfreiheiten. Die Matrosenergriffen zuerst Otto Astawitsch, und, in zwei Reihen gestellt, welcheFront gegen einander machten und sich bei den Händen anfaßteu,ließen sie ihn schonungslos über ihre Arm^ schwimmen; eine Artdes Prellenö, die unter uns für keine Ehren- oder Freundschafts-bezeigung gelten würde. Nach Otto Astawitsch kam Gleb Simo-nowitsch an die Reihe, und nach diesem wir alle, so wie sie unserhabhaft werden konnten. Die am höchsten in ihrer Gunst standen,wurden am höchsten geschnellt und am unbarmherzigsten behandelt.Ich erfuhr nachher, daß solches Thun ein Gegengeschenk verdiene,welches der Geprellte an die prellende Mannschaft zu entrichtenpflege.

Am 13. waren wir segelfertig, aber die erwartete Post auSSt. Petersburg war nicht angekommen, und wir mußten unserergetäuschten Hoffnung bis zu der Rückkehr nach Kamtschatka, die unsauf den Herbst 1817 verheißen war, Geduld gebieten. Auch von