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3 (1864)
Entstehung
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neuesten Ereignisse; die erzwungene Abtretung von Norwegen anSchweden, dessen selbstständige Dertheidignng unter dem PrinzenChristian von Dänemark und den endlichen Vertrag, wodurch esals ein eigenes Königreich unter eigenen Gesetzen sich dem Königevon Schweden unterwarf.

Kopenhagen scheint mir nicht größer, nicht volkreicher als Ham-burg zu sein; breite Straßen, neue, charakterlose Bauart. DaS neueStadthaus ist in griechischem Styl aus Backsteinen mit Kalkbewurfgebaut*). Die Dänen hassen von jeher die Deutschen: nur Bruderkönnen einander hassen. Jetzt aber hassen sie zuvörderst die Schwe-den, sodann die Engländer, und der Haß gegen die Deutschen trittzurück. Sie ringen nach Volksthümlichkcit und sind gcdemnthigt.Viele lieben deswegen doch nicht Napoleon; nur erkennen Alle, undwer wollte es leugnen, daß sie daö Opfer der Sunden Anderer ge-worden sind. An Frankreichs Schicksal nehmen sie Theil, weilFrankreich's Macht der Macht ihrer Unterdrücker, der Engländer,die Wage hielt. Sie sind Seemänner, ein Volk der See. Manschaut es von Kopenhagen aus, daß Norwegen nicht, und mindernoch als die deutschen Provinzen, eine Besitzung von Dänemark,sondern der Sprache, der Verwandtschaft, der Geschichte nach recht

*) Unter den Künsten ist vorzüglich die Baukunst berufen, einer entschiede-nen Volksthümlichkcit, einer charaktervollen Zeit eine Stimme zu verleihen, sichvernehmbar der Nachwelt zu verkünden. Die ägyptische, die griechische, die go-thischc Baukunst, von denen die letztere schon für unS nicht minder der Vergan-genheit augehort, als die vorbenannten, legen uns daS Zeugnis! solcher Volks-thümlichkcitcn ab. Wie sollte eine Zeit, wie die unsrige, deren Charakter ebendarin besteht, alle Schranken nieder zu reißen, alle Volksthümiichkctten zu »er-schmelzen und aus den Angelegenheiten eines Volkes die Angelegenheiten allerVölker zn machen, so daß zum Beispiel an der Frage der Reform nicht dasSchicksal England'S, sondern daS Schicksal der Welt hängt: wie sollte die Zeitder Vuchdruckerkunst und der Posten, der Dampffahrzeugc zu Wasser und zuLande, der Schnellpresse, der Zeitungen und der Telegraphen eine andere Bau-kunst haben, als um Straßen und Brücken, Kanäle, Häfen und Leuchtthürmc zubauen? Ich habe den Maler David vor den Modellen griechischer Tempel denSatz mit Autorität behaupten hören: die Griechen hätten in der Baukunst Allesgeleistet, waS zu leisten möglich wäre, und es bliebe nur übrig, sie zu kopiren:Eigenes ersinnen z» wollen, sei widersinnig.