Mus ZOZ
sind die Hypothesen unzählbar. Die altern Aerzte sagtenmit Galen, es ergößen sich die Lebensgeister auo dem Ge-hirne durch die Nerven in die Muskeln, um. diese zu bewe-gen. Descarres leitete die Bewegung von einem schnel-ler» Einfiießen des Nervensasrs, t^ewrorr (Opric. k.. M.piusoil. 24.) von dem Archer her, der durch den Willen derSeele in die Nervencauäle getrieben werde: Gaiicormi,Tabor und llVillis ließen die cylindrische Nervensiber vondem ciudnngenden Lebensgeiste aufschwellen.
Um zu erklären, wie ein ss feines und in geringer Men-ge vorhandenes Fluidum große Wirkungen thnn könne, ver-glich Ascruo die Muskelsiber mit einer Röhre, die sich ineine Blase endiget, welche aufgeblasen sich erweitert unddurch ihre Verkürzung große Lasten erhebt. Da eine Rei-he vor: mehreren Blasen in dieser Absicht noch mehr leistet,als eine einzelne, worüber Sturm (OsileA. curiolümDo. II.) Versuche angestellt hat, so ließen Borellr, Gesnac u. a. den Muskel aus lauter Blasen oder Zellen beste-hen, welche durch die Lebensgeister oder den Nervensast auf-getrieben würden, und dadurch eine Verkürzung mit sovielGewalt verursachten. Die Mikroskope aber zeigen,diesenzellenförmigen Bau der Muskelfaser nicht, und die Ver-kürzungen sind oft so beträchtlich, daß bey diesem Mecha-nismus eine ungeheure Auftreibung des Volumens würde er-fordert werden, dergleichen man doch bey den Versuchennicht gewahr wird.
Weil Thiere sich noch eine Zeit bewegen, wenn manihnen schon das Gehirn genommen hat, so haben andere dieAnfüllung und Verkürzung der Muskelfaser nicht dem Ner-vensafte, sondern dem Blute zugeschrieben. Dahin gehörtnächst Daniel Bernoulft vorzüglich der Abt Berner(IDvstgue sie« corp« Luimex), welcher die Muskelfaservom Blute, wie eine gewundne Schnur von der Feuchtig-keit kürzer werden last und dabey die Geschwindigkeit undWarme des Bluts zu Hülfe nimmt. Er beruft sich darauf,daß der Muskel bey der Zusammenziehuug bleich werde, weilsich das Blut aus den kleinen Arterien ins Innere der Fi-bern ergieße. Aber dieses Blerchwerden ist in, der Ersah-